Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt
Die Stasi ist die gebräuchliche Kurzform für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Nach Angaben des Bundesarchivs war es innenpolitische Geheimpolizei, Ermittlungsbehörde und Auslandsnachrichtendienst zugleich.[1] Es unterscheidet sich damit grundlegend von den Nachrichtendiensten eines Rechtsstaats, die in Deutschland keine polizeilichen Befugnisse haben (mehr dazu unter Nachrichtendienst oder Polizei?). Dieses Porträt fasst zusammen, was das Bundesarchiv und die Bundeszentrale für politische Bildung über Aufbau, Methoden und Ende der Stasi festhalten.
Das Wichtigste in Kürze
- Gegründet am 8. Februar 1950, rechtlich aufgelöst zum 30. Juni 1990.[1]
- Rolle: Geheimpolizei, Ermittlungsbehörde und Auslandsnachrichtendienst; Selbstbild: „Schild und Schwert der Partei“.[1]
- Größe 1989: rund 91.000 hauptamtliche und rund 180.000 inoffizielle Mitarbeiter.[1][2]
- Heute: Die Akten liegen im Bundesarchiv und können nach dem Stasi-Unterlagen-Gesetz eingesehen werden.[1][3]
Aufgabe und Selbstverständnis
Die Stasi sicherte nach Darstellung des Bundesarchivs die Herrschaft der SED, die nie durch freie Wahlen legitimiert war. Das MfS unterlag nur der Parteiführung, nicht aber einer parlamentarischen oder medialen Kontrolle.[1] Sein Selbstverständnis lautete „Schild und Schwert der Partei“; abweichende Haltungen galten als „staatsfeindlich“.[1]
Aufbau
Das MfS war militärisch organisiert und streng zentralistisch. Es bestand aus der Zentrale in Berlin, 15 Bezirksverwaltungen, 209 Kreisdienststellen und einigen Objektdienststellen. Dazu kamen 17 eigene Untersuchungsgefängnisse und ein Wachregiment.[1]
Für die Spionage im Ausland war die Hauptverwaltung A (HV A) zuständig. Sie hatte laut Bundesarchiv 1989 rund 4.600 hauptamtliche Mitarbeiter und etwa das Vierfache an inoffiziellen Mitarbeitern; geleitet wurde sie bis 1986 von Markus Wolf, danach bis 1989/90 von Werner Großmann.[1]
An der Spitze standen drei Minister: Wilhelm Zaisser (1950–1953), Ernst Wollweber (1953–1957) und Erich Mielke, der das Ministerium ab 1957 bis kurz vor dem Ende leitete.[1]
Zahlen
Der Personalbestand galt lange als Geheimnis. Nach den Angaben des Bundesarchivs hatte der hauptamtliche Apparat 1989 einen Umfang von 91.015 Mitarbeitern (Stichdatum 31. Oktober 1989).[2] Die Zahl der inoffiziellen Mitarbeiter (IM) beziffert das Bundesarchiv im MfS-Lexikon für 1989 auf ungefähr 189.000, darunter 173.000 IM der Abwehrdiensteinheiten;[4] auf seiner Themenseite nennt es für den Herbst 1989 rund 180.000.[1] Andere Stellen nennen leicht abweichende Werte, vermutlich wegen anderer Stichtage oder Zählweisen. Für den gesamten Zeitraum von 1950 bis 1989 schätzt das Bundesarchiv die Zahl der IM auf rund 620.000.[4]
Methoden
Nach Darstellung des Bundesarchivs setzte die Stasi in den frühen Jahren auf offene Härte: körperliche Gewalt, willkürliche Verhaftungen, Entführungen aus dem Westen und gesteuerte Schauprozesse. Ab den 1970er-Jahren wählte sie „leise“ Methoden, um im Ausland nicht negativ aufzufallen: die vorbeugende Überwachung breiter Bevölkerungsteile und sogenannte Zersetzungsmaßnahmen wie gezielte Gerüchte, Isolation und die Kriminalisierung Einzelner. Ein Netz aus inoffiziellen Mitarbeitern in allen Lebensbereichen unterstützte die Überwachung; das MfS arbeitete eng mit Volkspolizei und Zoll zusammen.[1]
Das Ende 1989/90
Im Herbst 1989 führten Massendemonstrationen zum Machtverlust der SED; ein Befehl zur gewaltsamen Niederschlagung blieb aus. Im November 1989 ordnete Mielke die Vernichtung von Unterlagen an. Am 4. Dezember 1989 besetzten Bürgerinnen und Bürger Stasi-Dienststellen, um das zu stoppen. Am 13. Januar 1990 beschloss die Übergangsregierung die ersatzlose Auflösung, am 15. Januar wurde die Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg besetzt. Rechtlich aufgelöst wurde das MfS zum 30. Juni 1990.[1] Die Hauptverwaltung A löste sich selbst auf und vernichtete ihre Unterlagen weitgehend; deshalb ist der Aktenbestand zur deutsch-deutschen Spionage vergleichsweise gering.[1]
Die Stasi-Akten heute
Die Akten sind heute in den Händen der Bürgerinnen und Bürger und können nach dem Stasi-Unterlagen-Gesetz genutzt werden.[1] Seit dem 17. Juni 2021 liegt die Verantwortung für die Stasi-Unterlagen beim Bundesarchiv.[1] Das Stasi-Unterlagen-Archiv nennt über 111 Kilometer Schriftgut; seit Ende 1990 gab es insgesamt 7.561.665 Ersuchen und Anträge auf Akteneinsicht (Stand 31. Dezember 2025), darunter 3.499.663 Bürgeranträge.[3]
Einordnung
Die Stasi unterlag keiner parlamentarischen Kontrolle.[1] Wie die Kontrolle der Nachrichtendienste in der heutigen Bundesrepublik geregelt ist, erklärt der Beitrag Wer kontrolliert Nachrichtendienste?; warum Dienste und Polizei getrennt sind, der Beitrag Nachrichtendienst oder Polizei?. Die Spionage der Stasi gegen die Bundesrepublik zeigt der Fall Guillaume, den der Beitrag Spionage und Spionageabwehr erwähnt. Fachbegriffe erklärt das Glossar.
Das Verhältnis zur rumänischen Geheimpolizei vertieft das Porträt der Securitate. Es erklärt die anfängliche Zusammenarbeit, das spätere Zerwürfnis und die Grenzen der Aktenüberlieferung.
Häufige Fragen
Was war die Stasi?
Die Stasi ist die gebräuchliche Kurzform für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Nach Angaben des Bundesarchivs war es innenpolitische Geheimpolizei, Ermittlungsbehörde und Auslandsnachrichtendienst zugleich. Es unterscheidet sich damit grundlegend von den Nachrichtendiensten eines Rechtsstaats, die in Deutschland keine polizeilichen Befugnisse haben (mehr dazu unter Nachrichtendienst oder Polizei?).[1]
Wann wurde die Stasi aufgelöst?
Nach den Besetzungen von Dienststellen im Dezember 1989 und der Berliner Zentrale im Januar 1990 wurde die Staatssicherheit abgewickelt. Rechtlich aufgelöst wurde das MfS zum 30. Juni 1990.[1]
Zum Weiterlesen
Die Stasi 1945–1990
EinstiegJens Gieseke · Pantheon, 6. Auflage 2011 – Kompakte Gesamtdarstellung (368 Seiten) des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR.
Guillaume, der Spion. Eine deutsch-deutsche Karriere
BiografieEckard Michels · Ch. Links, 2013 – Biografie (416 Seiten) des DDR-Spions Günter Guillaume, der als Referent von Bundeskanzler Willy Brandt enttarnt wurde.
Spionagechef im geheimen Krieg
ErinnerungenMarkus Wolf · List, 1997 – Erinnerungen des langjährigen Chefs der DDR-Auslandsspionage (511 Seiten) – eine Darstellung aus der Sicht des Beteiligten.
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Quellen
- Bundesarchiv: Was war die Stasi? Abgerufen am 13.10.2026.
- Bundesarchiv: Hauptamtlicher Mitarbeiter (MfS-Lexikon). Abgerufen am 13.10.2026.
- Bundesarchiv: Das Stasi-Unterlagen-Archiv in Zahlen. Stand 31.12.2025, abgerufen am 13.10.2026.
- Bundesarchiv: Inoffizieller Mitarbeiter (IM) (MfS-Lexikon). Abgerufen am 13.10.2026.