Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt
Die Securitate war die politische Geheimpolizei des kommunistischen Rumäniens. 1948 gegründet, sicherte sie bis zum Umbruch von 1989 die Herrschaft der kommunistischen Führung durch Überwachung und Verfolgung. Ihre Geschichte reicht weit über die Regierungszeit Nicolae Ceaușescus hinaus. Sie zeigt außerdem, warum die Geheimdienste des Ostblocks trotz gemeinsamer Gegner keineswegs dauerhaft zusammenarbeiteten.[1][2][3]
Das Wichtigste in Kürze
- Gründung: 30. August 1948 als Generaldirektion für die Volkssicherheit (DGSP).[1]
- Funktion: Schutz der kommunistischen Herrschaft; Verfolgung tatsächlicher und vermeintlicher Gegner im Inland, Aktivitäten im Ausland.[1][4]
- Verhältnis zur Stasi: zunächst Zusammenarbeit, seit den 1960er-Jahren dauerhaftes Zerwürfnis.[2]
- Quellenproblem: Eine Akte dokumentiert zunächst, was die Geheimpolizei festhielt. Ihr Inhalt muss geprüft und eingeordnet werden.[4]
Was war die Securitate?
„Securitate“ bezeichnet den rumänischen Staatssicherheitsapparat der kommunistischen Zeit. Der Name ist geläufiger als die wechselnden organisatorischen Bezeichnungen. Bei der Gründung hieß die Behörde Direcția Generală a Securității Poporului, abgekürzt DGSP. Das Dekret 221 vom 30. August 1948 gab ihr den Auftrag, die politischen Errungenschaften des neuen Regimes und die Sicherheit der Volksrepublik gegen innere und äußere Feinde zu schützen.[1]
Die Gedenkstätte Sighet ordnet diese Formel als Absicherung der kommunistischen Macht ein. Der Aufbau erfolgte unter sowjetischem Einfluss. Die Geschichte beginnt damit vor Ceaușescu, der erst 1965 an die Parteispitze gelangte. Wer die Securitate ausschließlich als dessen persönlichen Geheimdienst beschreibt, verkürzt ihre Entstehung und ihre erste Phase erheblich.[1][3]
Wie Überwachung politische Herrschaft absicherte
Zum Repertoire gehörten die Beobachtung von Oppositionellen, ihre Isolierung und der Druck zur Ausreise. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt auch die gewaltsame Niederschlagung lokaler Revolten. Rumäniens außenpolitische Distanz zu Moskau bedeutete für die Bevölkerung somit keine entsprechende Freiheit im Innern.[3]
Für das Verständnis der Arbeitsweise ist die Unterscheidung zwischen hauptamtlichem Personal, Informanten und Betroffenen wesentlich. Eine Forschungsdarstellung beim Wilson Center erläutert, dass Informationen nicht immer als unterschriebener Bericht eines Informanten vorliegen. Bei mündlichen Gesprächen konnte ein Offizier selbst eine Zusammenfassung verfassen, Informationen auswählen und kommentieren.[4] Eine solche Notiz enthält daher bereits die Bearbeitung durch den Apparat.
Daraus ergibt sich eine wichtige Leseregel: Ein überlieferter Bericht belegt unmittelbar die damalige Aufzeichnung. Ob die darin behauptete Handlung tatsächlich stattfand, ist eine zweite Frage. Ebenso wenig lässt sich allein aus der Existenz einer Akte auf eine freiwillige Zusammenarbeit schließen. Dafür müssen Entstehungszusammenhang und weitere Dokumente untersucht werden.[4]
Securitate und Stasi: Warum sich verbündete Dienste entzweiten
Die Stasi und die Securitate arbeiteten anfangs zusammen, unter anderem gegen die rumänische Emigration. In den 1960er-Jahren zerbrach die Beziehung dauerhaft. Das MfS behandelte Rumänien anschließend als Problemfall und spionierte das formal verbündete Land aus.[2]
Georg Herbstritts im Bundesarchiv vorgestellte Untersuchung stützt sich auf Akten beider Länder. Gerade dieser doppelte Blick ist aufschlussreich: Er macht unterschiedliche staatliche Interessen innerhalb des sozialistischen Bündnisses sichtbar. Die Bezeichnung „Bruderorgane“ beschreibt einen politischen Anspruch, aber keine verlässliche Aussage über das tatsächliche Verhältnis.[2]
Das Porträt der Securitate ist deshalb auch ein Gegenbeispiel zur Vorstellung eines einheitlich gelenkten Geheimdienstblocks. Politische Bündniszugehörigkeit konnte neben Misstrauen, verdeckter Beobachtung und eigenständigen Interessen bestehen. Für einen Vergleich müssen die jeweiligen Beziehungen und Zeitabschnitte betrachtet werden.[2]
Was endete 1989 – und was lässt sich aus alten Quellen sagen?
Der Sturz der kommunistischen Herrschaft 1989 beendete die Securitate als Geheimpolizei dieses Regimes. Damit war die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Personal, ihren Netzwerken und ihren Akten keineswegs abgeschlossen. Die bpb beschreibt den schwierigen Übergang, bei dem ehemalige Partei- und Geheimdienstkader weiterhin Machtpositionen besetzten.[3]
Bei Aussagen zum Archivzugang ist das Veröffentlichungsdatum besonders wichtig. Die hier herangezogene Wilson-Center-Studie schildert die zersplitterte Überlieferung und eingeschränkte Zugänglichkeit aus der Perspektive von 2005. Sie ist eine Quelle für die damalige Aufarbeitung und für methodische Probleme, keine aktuelle Auskunft über heutige Anträge oder verfügbare Bestände.[4]
Auch zur Gewalt während der Revolution sollten keine pauschalen Verantwortlichkeiten behauptet werden. Die bpb-Darstellung zur Revolution macht die umstrittene und langwierige Aufklärung deutlich.[5] Dieses Porträt übernimmt deshalb keine unbelegte Gesamtzahl von „Securitate-Opfern“ und keine Namenslisten mutmaßlicher Informanten.
Wie Rumänien seine Nachrichtendienste nach 1989 neu ordnete, zeigen das Porträt des heutigen Inlandsdienstes SRI und der Überblick Rumänischer Geheimdienst.
Häufige Fragen
War die Securitate dasselbe wie die Stasi?
Nein. Beide waren politische Geheimpolizeien kommunistischer Staaten. Die Securitate gehörte zu Rumänien, das Ministerium für Staatssicherheit zur DDR. Zwischen ihnen gab es zunächst Kooperation und später ein dauerhaftes Zerwürfnis.[2]
Gab es die Securitate schon vor Ceaușescu?
Ja. Die Gründung erfolgte 1948; Ceaușescu übernahm die Parteiführung erst 1965.[1][3]
Warum sind Geheimdienstakten keine neutralen Tatsachenprotokolle?
Weil sie für die Zwecke des überwachenden Apparats entstanden. Informationen konnten ausgewählt, zusammengefasst und durch Offiziere bewertet werden. Ihre Aussagen benötigen deshalb eine Prüfung anhand weiterer Belege.[4]
Mehr zur Einordnung finden Sie unter Geschichte der Nachrichtendienste und im Porträt der Stasi.
Zum Weiterlesen
Entzweite Freunde. Rumänien, die Securitate und die DDR-Staatssicherheit 1950 bis 1989
StudieGeorg Herbstritt · Vandenhoeck & Ruprecht, 2016 – Aktenbasierte Studie zu Zusammenarbeit und Konflikten zwischen Securitate und Stasi.
Geschichte der Geheimdienste. Von den Pharaonen bis zum Cyberkrieg
EinstiegWolfgang Krieger · C.H.Beck, 4. Auflage 2026 – Die Geschichte der Nachrichtendienste weltweit, von der Antike bis in die Gegenwart.
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Quellen
- Memorial Sighet: Die Securitate in den Jahren 1948–1989. Ausstellungstext zur Gründung und Herrschaftsfunktion. Abgerufen am 15.10.2026.
- Bundesarchiv: Georg Herbstritt: Entzweite Freunde. Rumänien, die Securitate und die DDR-Staatssicherheit 1950 bis 1989. Beschreibung der aktenbasierten Studie von 2016; hier wurde die Publikationsbeschreibung ausgewertet, nicht das vollständige Buch. Abgerufen am 15.10.2026.
- Bundeszentrale für politische Bildung: Rumänien. Überblick zu Diktatur und Übergang. Abgerufen am 15.10.2026.
- Lavinia Stan / Wilson Center: Inside the Securitate Archives. 2005; historische Forschungsdarstellung zur Aktenentstehung und damaligen Überlieferungssituation. Abgerufen am 15.10.2026.
- Bundeszentrale für politische Bildung: Vor 30 Jahren: Revolution in Rumänien. 2019; keine aktuelle Verfahrensauskunft. Abgerufen am 15.10.2026.