Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt
Wer nach dem „rumänischen Geheimdienst“ sucht, meint heute meist den SRI, den Inlandsdienst. Rumänien hat aber mehrere Dienste mit getrennten Aufgaben: den SRI für das Inland, den SIE für das Ausland und die DGIA für den militärischen Bereich. Dazu kommt der Fernmeldedienst STS.[1][2][3][4] Die Securitate dagegen ist Geschichte. Ihre Organe wurden am 30. Dezember 1989 aufgelöst.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Heute: SRI (Inland), SIE (Ausland), DGIA (Verteidigung) und STS (besondere Telekommunikation) arbeiten nebeneinander.[1][2][3][5]
- Steuerung: Der Oberste Rat für Landesverteidigung (CSAT) koordiniert die Tätigkeit für die nationale Sicherheit.[1][2]
- Historisch: Die Securitate war von 1948 bis 1989 die politische Geheimpolizei des kommunistischen Regimes.[1]
- Akten: Die Securitate-Akten verwaltet heute die Aktenbehörde CNSAS.[6][7]
Welcher rumänische Geheimdienst ist gemeint?
| Bezeichnung | Zusammenhang | Porträt |
|---|---|---|
| SRI – Serviciul Român de Informații | Inlandsnachrichtendienst seit 26. März 1990; Spionage- und Terrorismusabwehr, Schutz der Verfassungsordnung | SRI |
| SIE – Serviciul de Informații Externe | Auslandsnachrichtendienst; Organisationsgesetz Nr. 1/1998 | – |
| DGIA – Direcția Generală de Informații a Apărării | Nachrichtendienst des Verteidigungsministeriums; Risiken für die Sicherheit im militärischen Bereich, Spionageabwehr in der Armee | – |
| STS – Serviciul de Telecomunicații Speciale | Dienst für besondere staatliche Telekommunikation; lieferte 2024 eine der freigegebenen Informationsnotizen zur Präsidentschaftswahl | – |
| Securitate (historisch) | Politische Geheimpolizei des kommunistischen Rumäniens, 1948–1989 | Securitate |
Wie teilen sich die heutigen Dienste die Arbeit?
Das Gesetz Nr. 51 vom 29. Juli 1991 über die nationale Sicherheit legte fest, welche staatlichen Stellen für diesen Bereich zuständig sind. Genannt wurden der SRI, der SIE, der Schutz- und Wachdienst sowie Fachabteilungen der Ministerien für Verteidigung, Inneres und Justiz. Koordiniert wird diese Tätigkeit vom CSAT.[1]
Der SRI ist nach eigener Darstellung der wichtigste Dienst für Informationen aus dem Landesinnern.[2] Der SIE beschreibt sich als staatliche Fachbehörde für Auslandsinformationen. Er beschafft Erkenntnisse für die Entscheidungen der Staatsführung, warnt früh vor Risiken und erstellt strategische Bewertungen der internationalen Lage. Auch ihn koordiniert der CSAT; das Parlament kontrolliert ihn über einen eigenen Ausschuss.[3]
Die DGIA ist Teil des Verteidigungsministeriums. Sie sammelt und bewertet Informationen über Risiken für die nationale Sicherheit im militärischen Bereich und koordiniert Maßnahmen der Spionageabwehr. Außerdem schützt sie nationale Verschlusssachen sowie solche der NATO und der EU im Ministerium. Ihr Generaldirektor wird vom Verteidigungsminister ernannt, mit Zustimmung des CSAT.[4]
Der STS wird seltener genannt. Der SRI führt ihn unter den Behörden, mit denen er zusammenarbeitet.[2] Im Dezember 2024 gehörte er zu den vier Stellen, deren Informationsnotizen freigegeben wurden, bevor das Verfassungsgericht die Präsidentschaftswahl annullierte.[5]
Warum Securitate und SRI getrennt betrachtet werden
Die Securitate entstand am 30. August 1948. Bis 1958 hatten sowjetische Berater nach Darstellung des SRI großen Einfluss auf sie.[1] Sie diente der Absicherung einer Diktatur. Der SRI dagegen arbeitet auf gesetzlicher Grundlage und unter parlamentarischer Kontrolle; seinem Personal ist die Mitgliedschaft in Parteien untersagt.[2] Zwischen beiden liegt der Bruch von 1989.
Dennoch sind beide Geschichten miteinander verbunden. Der SRI verwahrte jahrelang große Teile der Securitate-Akten. Er übergab sie schrittweise an den Nationalen Rat für das Studium der Securitate-Archive (CNSAS), zuletzt im Februar 2022.[7] Seit 2008 regelt eine Dringlichkeitsverordnung das Recht, die eigene Akte einzusehen.[6] Wer heute über die Securitate recherchiert, wendet sich deshalb an den CNSAS und nicht an den SRI.
Häufige Fragen
Wie heißt der rumänische Geheimdienst?
Den einen rumänischen Geheimdienst gibt es nicht. Für das Inland ist der SRI zuständig, für das Ausland der SIE. Hinzu kommen die DGIA im Verteidigungsministerium und der Fernmeldedienst STS.[1][3][4]
Gibt es die Securitate noch?
Nein. Ihre Organe wurden am 30. Dezember 1989 aufgelöst. Der SRI wurde im März 1990 neu gegründet.[1]
Wo liegen die Akten der Securitate?
Die Bestände verwaltet der CNSAS. Nach Angaben von Radio Free Europe umfasst sein Archiv rund 29 laufende Kilometer.[7]
Mehr zum Inlandsdienst lesen Sie im Porträt des SRI, zur Vorgeschichte im Porträt der Securitate. Wie andere Länder ihre Dienste aufteilen, zeigen Nachrichtendienste in Deutschland und Ukrainische Nachrichtendienste.
Zum Weiterlesen
Entzweite Freunde. Rumänien, die Securitate und die DDR-Staatssicherheit 1950 bis 1989
StudieGeorg Herbstritt · Vandenhoeck & Ruprecht, 2016 – Aktenbasierte Studie zu Zusammenarbeit und Konflikten zwischen Securitate und Stasi.
Geschichte der Geheimdienste. Von den Pharaonen bis zum Cyberkrieg
EinstiegWolfgang Krieger · C.H.Beck, 4. Auflage 2026 – Die Geschichte der Nachrichtendienste weltweit, von der Antike bis in die Gegenwart.
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Quellen
- Serviciul Român de Informații: Momente cheie. Offizielle Zeitleiste des SRI (Gesetz 51/1991, Gründung 1990, Auflösung der Securitate-Organe, Securitate ab 1948); vollständig gelesen. Abgerufen am 25.10.2026.
- Serviciul Român de Informații: Întrebări frecvente. Offizielle Selbstbeschreibung zu Auftrag, Kooperationspartnern und Kontrolle. Abgerufen am 25.10.2026.
- Serviciul de Informații Externe: Despre noi. Offizielle Selbstbeschreibung des Auslandsdienstes mit Auftrag, Koordinierung und Rechtsgrundlagen. Abgerufen am 25.10.2026.
- Ministerul Apărării Naționale: Direcția generală de informații a apărării. Offizielle Strukturbeschreibung des Verteidigungsministeriums. Abgerufen am 25.10.2026.
- Portal Legislativ: Verfassungsgericht, Entscheidung (Hotărâre) Nr. 32 vom 6. Dezember 2024. Volltext; Randnummern 1 und 5 zu den freigegebenen Notizen ausgewertet. Abgerufen am 25.10.2026.
- Portal Legislativ: Dringlichkeitsverordnung Nr. 24 vom 5. März 2008 über den Zugang zur eigenen Akte. Konsolidierte, nicht amtliche Fassung bis 24.9.2012; Artikel 1 und 31 ausgewertet. Abgerufen am 25.10.2026.
- Radio Free Europe/Radio Liberty Rumänien: CNSAS la 35 de ani de la Revoluție. Reportage vom 22.10.2024 zu Archivumfang und letzter Aktenlieferung des SRI. Abgerufen am 25.10.2026.