Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt
Die Geheime Staatspolizei, kurz Gestapo, war die politische Polizei des nationalsozialistischen Deutschlands. Sie war – anders als die heutigen deutschen Nachrichtendienste – Polizei und Nachrichtendienst zugleich und verfolgte politische Gegner mit Zwangsmitteln. Dieses Porträt fasst zusammen, was die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), das Deutsche Historische Museum (LeMO) und die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg festhalten.
Das Wichtigste in Kürze
- Gegründet am 26. April 1933 in Preußen; ab 1934 unter Himmler und Heydrich, ab 1936 reichsweit zentralisiert.[1][2]
- Gesetz vom 10. Februar 1936: Anordnungen der Gestapo unterlagen nicht der Nachprüfung durch Verwaltungsgerichte.[1]
- Personal: rund 7.000 (1939) und rund 25.000 (1945) nach bpb; LeMO nennt rund 32.000 für 1944.[1][2]
- 1946: Der Internationale Militärgerichtshof erklärte die Gestapo zur verbrecherischen Organisation.[3]
Gründung und Machtausbau
Am 26. April 1933 gründete Hermann Göring das Preußische Geheime Staatspolizeiamt (Gestapa) in Berlin; die Gestapo ging aus der Preußischen Politischen Polizei hervor. Ein zweites Gesetz vom 30. November 1933 machte sie zu einem „selbstständigen Zweig der inneren Verwaltung“.[1] Im April 1934 übernahm Heinrich Himmler zusammen mit Reinhard Heydrich die preußische Gestapo.[1] Im Juni 1936 wurden die Politischen Polizeien der Länder unter Himmler als „Chef der deutschen Polizei“ zentralisiert; die Gestapo bildete mit der Kriminalpolizei das Hauptamt Sicherheitspolizei unter Heydrich, und ab September 1939 bildeten Sicherheitspolizei und SD das Reichssicherheitshauptamt.[2]
Das dritte Gestapo-Gesetz vom 10. Februar 1936 hob nach Darstellung der bpb jede gerichtliche Kontrolle auf: Laut Paragraf 7 unterlagen Anordnungen nicht der Nachprüfung durch Verwaltungsgerichte.[1] Genau das unterscheidet die Gestapo von allem, was das heutige Trennungsgebot und die Kontrolle der Nachrichtendienste vorsehen.
Aufgaben und Methoden
Die Gestapo verfolgte systematisch tatsächliche oder vermeintliche politische Gegner. Bis 1939 traf das vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten, die in „Schutzhaft“ genommen wurden. Wegen der fehlenden richterlichen Kontrolle konnte sie Geständnisse auch durch Folter erzwingen. Die Berliner Zentrale in der Prinz-Albrecht-Straße war eine Durchgangsstation in die Konzentrationslager.[2] Die „Schutzhaft“ erlaubte nach der bpb die unbefristete Einweisung in ein Konzentrationslager, ohne dass eine Tat nachgewiesen werden musste; sie traf zunächst Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter, später auch Juden, Sinti und Roma sowie als „asozial“ Definierte. Die Gestapo wurde zu einem Teil des Vernichtungsapparats und beteiligte sich an Deportationen und Morden, etwa im Judenreferat unter Adolf Eichmann. In den ersten beiden Jahren wurden nach dieser Darstellung rund 35.000 Menschen inhaftiert, viele gefoltert, Hunderte getötet.[1]
Nach LeMO war die Gestapo nicht flächendeckend präsent; ihre Wirksamkeit beruhte auf einem Netz aus Spitzeln und auf politisch, beruflich oder privat motivierten Denunziationen. Als Beispiel nennt LeMO Essen: 1937 waren dort bei rund 650.000 Einwohnern 43 Gestapobeamte tätig. Im Krieg verfolgte sie auch defätistische Äußerungen.[2]
Personalstärke
Die Angaben unterscheiden sich je nach Quelle. Die bpb nennt für Anfang 1934 etwa 1.700 Mitarbeiter in Preußen (darunter 1.000 Beamte), für Kriegsbeginn 1939 reichsweit etwa 7.000 und für Kriegsende 1945 etwa 25.000; dazu kamen V-Leute und Informanten sowie mehrere tausend Frauen in der Verwaltung.[1] LeMO nennt für 1944 rund 32.000 Mann im Deutschen Reich.[2] Die Zahlen sind nicht direkt vergleichbar, weil sie unterschiedliche Stichtage und Zählweisen haben.
Nach 1945
Im Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg (20. November 1945 bis 1. Oktober 1946) wurden unter anderem die Gestapo, der SD, die SS und das Führerkorps der NSDAP angeklagt. Der Internationale Militärgerichtshof erklärte das NSDAP-Führerkorps, die Gestapo, den SD und die SS zu verbrecherischen Organisationen; die Reiter-SS nahm er aus. Die Urteile wurden am 30. September und 1. Oktober 1946 verlesen.[3][4]
Warum das heute wichtig ist
Das Trennungsgebot in Deutschland geht nach einem Gutachten des Bundestages auch auf die „historische Erfahrung“ mit den geheimen staatspolizeilichen Strukturen des Nationalsozialismus zurück; mehr dazu im Beitrag Nachrichtendienst oder Polizei?. Zur zweiten deutschen Geheimpolizei siehe das Porträt der Stasi. Fachbegriffe erklärt das Glossar.
Häufige Fragen
Was war die Gestapo?
Die Geheime Staatspolizei, kurz Gestapo, war die politische Polizei des nationalsozialistischen Deutschlands. Sie war – anders als die heutigen deutschen Nachrichtendienste – Polizei und Nachrichtendienst zugleich und verfolgte politische Gegner mit Zwangsmitteln.
Was geschah mit der Gestapo nach 1945?
Im Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg (20. November 1945 bis 1. Oktober 1946) wurden unter anderem die Gestapo, der SD, die SS und das Führerkorps der NSDAP angeklagt. Der Internationale Militärgerichtshof erklärte das NSDAP-Führerkorps, die Gestapo, den SD und die SS zu verbrecherischen Organisationen; die Reiter-SS nahm er aus.[3][4]
Zum Weiterlesen
Die Gestapo. Herrschaft und Terror im Dritten Reich
EinstiegCarsten Dams, Michael Stolle · C.H.Beck, 4. Auflage 2017 – Kompakte Gesamtdarstellung (253 Seiten) der Geheimen Staatspolizei.
Generation des Unbedingten. Das Führungskorps des Reichssicherheitshauptamtes
StudieMichael Wildt · Hamburger Edition, Studienausgabe – Studie (966 Seiten) über das Führungspersonal des Reichssicherheitshauptamtes.
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Quellen
- Bundeszentrale für politische Bildung: Vor 85 Jahren: Nazis bauen Macht der Gestapo aus. Hintergrund aktuell, 29.11.2018, abgerufen am 14.10.2026.
- Deutsches Historisches Museum: Gestapo (LeMO – Lebendiges Museum Online). Abgerufen am 14.10.2026.
- Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg: Die Nürnberger Prozesse im Überblick. Abgerufen am 14.10.2026.
- Bundesarchiv: Der Nürnberger Prozess 1945/46. Abgerufen am 14.10.2026.