Dienst-Porträt · Sowjetunion · Historische Dienste

KGB

Komitee für Staatssicherheit (KGB)

Das KGB war der Geheimdienst und die Geheimpolizei der Sowjetunion. Aufbau, Aufgaben, Methoden, Vorläufer und Auflösung 1991 – nach Angaben des Deutschen Spionagemuseums und der Bundeszentrale für politische Bildung.

Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt

KGB steht für „Komitee für Staatssicherheit“. Es war der Geheimdienst und die Geheimpolizei der Sowjetunion und arbeitete sowohl im Inland als auch im Ausland.[1] Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) beschreibt es als das wichtigste Repressionsinstrument der Kommunistischen Partei, das die Gesellschaft flächendeckend kontrollieren sollte und über dem Gesetz stand.[2] Dieses Porträt fasst zusammen, was das Deutsche Spionagemuseum und die bpb über Aufbau, Methoden und Ende des Dienstes festhalten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gegründet im März 1954 (13. oder 23. März je nach Quelle), aufgelöst am 3. Dezember 1991.[1][2]
  • Aufgaben: Inlands- und Auslandsnachrichtendienst sowie Geheimpolizei.[1]
  • Sitz: die Lubjanka in Moskau.[1]
  • Nachfolger: der Auslandsdienst SWR und der Inlandsdienst FSB.[1]
  • Größe: nach einer Schätzung des Museums rund 480.000 Beschäftigte (1991).[3]

Warum „der KGB heißt heute FSB“ zu kurz greift

Der KGB verband Auslandsaufklärung, innere Überwachung und Funktionen einer Geheimpolizei in einem Apparat.[1][2] Nach seinem Ende wurden Aufgaben auf verschiedene Behörden verteilt. Eine institutionelle Nachfolge bedeutet deshalb nicht, dass eine Organisation unverändert unter einem neuen Schild weiterarbeitet.

Für die heutige russische Aufteilung sind FSB als Inlandsdienst und SWR als ziviler Auslandsdienst zu unterscheiden. Die militärische GRU gehört in eine eigene Traditionslinie. Der Russland-Überblick führt die Zuständigkeiten zusammen. Beim Lesen historischer Berichte hilft daher eine dreifache Frage: Welche Behörde, welche Aufgabe und welcher Zeitraum sind tatsächlich gemeint?

Gründung und Vorläufer

Das KGB wurde im März 1954 gegründet; das Deutsche Spionagemuseum nennt den 13. März, die bpb in einer älteren Darstellung den 23. März. Sein unmittelbarer Vorläufer war das Ministerium für Staatssicherheit (MGB), das dem Innenministerium unterstand. Das KGB dagegen unterstand direkt dem Ministerrat der UdSSR und war damit faktisch eine eigenständige Behörde.[1] Nach Stalins Tod 1953 waren Innenministerium und Staatssicherheit zunächst vereint worden; 1954 trennte sich die Staatssicherheit wieder und erhielt den Namen KGB („Komitee für die Staatssicherheit beim Ministerrat der UdSSR“).[2]

Die Wurzeln reichen weiter zurück (mehr im Porträt der Tscheka): Die erste sowjetische Geheimpolizei war die Tscheka (WeTscheKa), gegründet 1917 nach der Oktoberrevolution unter Felix Dserschinski. Spätere Bezeichnungen der Nachfolgeorgane waren unter anderem GPU, OGPU, NKGB und MGB; parallel bestand das NKWD, das Volkskommissariat für Inneres.[2]

Aufbau und Aufgaben

Der Sitz war die Lubjanka in Moskau, zuvor die Zentrale der Tscheka. Dort befanden sich auch Gefängnisse und das Archiv.[1] Nach Angaben des Spionagemuseums waren unter anderem diese Hauptverwaltungen wichtig:[1]

  • Erste: Auslandsoperationen und Agenten,
  • Zweite: Spionageabwehr innerhalb der Sowjetunion,
  • Dritte: Überwachung des Militärgeheimdienstes GRU und der Streitkräfte,
  • Fünfte: politische Polizei, Verfolgung von Regimegegnern,
  • Siebte: Observation und Entwicklung der dafür nötigen Technik.

Mehr zur GRU erklärt das Porträt der GRU.

Methoden

Nach Darstellung der bpb gehörten allgegenwärtige Observation und Einschüchterung, Schauprozesse, Propaganda und Desinformation im In- und Ausland zu den Methoden. Hinzu kamen „Erste Abteilungen“ in Hochschulen, Forschungsinstituten und Betrieben zur Überwachung, die Psychiatrie als politisches Repressionsmittel sowie Zwangsemigration und Ausbürgerung. Unter Stalin kamen Massenverhaftungen und Hinrichtungen nach festgelegten Quoten hinzu.[2]

Leitung

Das Spionagemuseum nennt als bedeutendsten und am längsten amtierenden Vorsitzenden Juri Andropow (1967–1984); Wladimir Krjutschkow war 1991 am Putschversuch gegen Michail Gorbatschow beteiligt.[1] Der letzte Vorsitzende Wadim Bakatin leitete nach Angaben der bpb 1991 eine Entideologisierung und Dezentralisierung ein, die scheiterte.[2]

Ende 1991 und Nachfolger

Nach dem gescheiterten Putsch vom August 1991 wurde das KGB aufgelöst: Am 3. Dezember 1991 löste Gorbatschow den Dienst auf, wenige Monate vor dem Zerfall der Sowjetunion.[1][2] Seine Aufgaben übernahmen der Auslandsgeheimdienst SWR und der Inlandsgeheimdienst FSB.[1] Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die russischen Geheimdienste nach Darstellung der bpb selbst zu einer einflussreichen Machtgruppe, die Wirtschaft, Politik und Medien mitprägt; die Bespitzelung der Bevölkerung sei zurückgegangen.[2]

Vergleich: KGB und Stasi

Das KGB und das Ministerium für Staatssicherheit der DDR waren eng verbunden: Das MfS wurde nach Angaben des Bundesarchivs unter Anleitung des sowjetischen Geheimdienstes aufgebaut.[4] Zur Stasi gibt es ein eigenes Porträt: Stasi. Wie ein Rechtsstaat Nachrichtendienste von der Polizei trennt, erklärt der Beitrag Nachrichtendienst oder Polizei?. Begriffe wie „Legalresidentur“ erläutert das Glossar.

Einen Überblick über alle russischen Dienste gibt der Beitrag Russischer Geheimdienst: FSB, SWR und GRU im Überblick.

Häufige Fragen

Was war der KGB?

KGB steht für „Komitee für Staatssicherheit“. Es war der Geheimdienst und die Geheimpolizei der Sowjetunion und arbeitete sowohl im Inland als auch im Ausland. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) beschreibt es als das wichtigste Repressionsinstrument der Kommunistischen Partei, das die Gesellschaft flächendeckend kontrollieren sollte und über dem Gesetz stand.[1][2]

Welche Dienste übernahmen Aufgaben des KGB?

Nach der Auflösung des KGB wurden seine Aufgaben auf verschiedene Behörden verteilt. Für Russland sind vor allem der zivile Auslandsdienst SWR und der Inlandsdienst FSB zu unterscheiden. Die heutige Aufteilung ist deshalb keine bloße Umbenennung des KGB.[1][2]

Zum Weiterlesen

Der Spion und der Verräter. Die spektakulärste Geheimdienstgeschichte des Kalten Krieges

SachbuchBen Macintyre · Insel Verlag, 2. Auflage 2025 (Originaltitel: The Spy and the Traitor) – Sachbuch (493 Seiten) über den KGB-Offizier Oleg Gordijewski, der sich laut Verlag dem britischen MI6 als Doppelagent anbot – ein Beispiel für HUMINT.

Putins Netz. Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste

SachbuchCatherine Belton · HarperCollins, aktualisierte Taschenbuchausgabe 2023 (Originaltitel: Putin's People) – Sachbuch (704 Seiten) über die Rolle ehemaliger KGB-Leute im heutigen Russland.

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Quellen

  1. Deutsches Spionagemuseum: KGB: Schild und Schwert der Sowjetunion – am 13. März 1954 wurde das KGB gegründet. 13.3.2022, abgerufen am 13.10.2026.
  2. Bundeszentrale für politische Bildung: „Volksfeinde“ im Visier. Anna Schor-Tschudnowskaja, 30.12.2016, abgerufen am 13.10.2026.
  3. Deutsches Spionagemuseum: Secret Services of the World. Abgerufen am 13.10.2026.
  4. Bundesarchiv: Was war die Stasi? Abgerufen am 13.10.2026.

Überblick: Russischer Geheimdienst: FSB, SWR und GRU im Überblick

Verwandte Dienste

  • Organisation Gehlen – Organisation Gehlen (hervorgegangen aus der US-Operation „Rusty“), Deutschland (amerikanische Besatzungszone/Bundesrepublik)
  • HVA – Hauptverwaltung A (HV A) des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, Deutschland (DDR)
  • Stasi – Ministerium für Staatssicherheit (MfS), Deutschland (DDR)
  • Fremde Heere Ost – Abteilung Fremde Heere Ost (FHO), 12. Abteilung des Generalstabs des Heeres, Deutschland (NS-Staat)
  • Gestapo – Geheime Staatspolizei (Gestapo), Deutschland (NS-Staat)
  • SD / RSHA – Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) und Reichssicherheitshauptamt (RSHA), Deutschland (NS-Staat)