Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt
Wenn von „dem russischen Geheimdienst“ die Rede ist, sind meist drei Dienste gemeint: der Inlandsdienst FSB, der zivile Auslandsdienst SWR und der militärische Auslandsdienst GRU. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) führt sie als die drei russischen Dienste, die im Cyberraum operieren: den FSB als Inlandsnachrichtendienst, den SWR als Auslandsnachrichtendienst und die GRU als militärischen Auslandsnachrichtendienst.[1] Dieser Überblick erklärt ihre Aufgaben, ihre Herkunft aus dem KGB und ihr Vorgehen gegen Deutschland.
Das Wichtigste in Kürze
- FSB: Inlandsgeheimdienst, 1995 als Nachfolger des KGB gegründet.[2]
- SWR: ziviler Auslandsnachrichtendienst, im Dezember 1991 aus dem KGB ausgegliedert.[3]
- GRU: militärischer Auslandsnachrichtendienst, dem Generalstab unterstellt.[4]
- Aus dem KGB: Der KGB wurde am 3. Dezember 1991 aufgelöst; seine Aufgaben gingen unter anderem an SWR und FSB.[5][6]
- Schwerpunkt der Abwehr: Die russischen Dienste stehen an erster Stelle der Schwerpunkte der deutschen Spionageabwehr.[7]
Die drei Dienste im Vergleich
FSB (Föderaler Sicherheitsdienst). Der FSB wurde nach Darstellung von dekoder am 3. April 1995 als Nachfolger des KGB gegründet. Er ist für Spionageabwehr, Terrorismusbekämpfung sowie organisierte und Wirtschaftskriminalität zuständig und hat seine Zuständigkeiten ausgeweitet; ihm unterstehen heute auch die Grenztruppen. Für den FSB einschließlich der Grenztruppen geht der deutsche Verfassungsschutz nach dekoder von mindestens 350.000 Beschäftigten aus.[2] Mehr im Porträt des FSB.
SWR (Dienst für Auslandsaufklärung). Der SWR wurde im Dezember 1991 aus dem KGB ausgegliedert; Vorläufer war die Erste Hauptverwaltung. Er beschafft im Ausland Informationen, betreibt Einflussoperationen und Desinformation und hat nach dekoder mindestens 15.000 Mitarbeiter.[3] Mehr im Porträt des SWR.
GRU (Hauptverwaltung für Aufklärung). Die GRU führt ihre Ursprünge auf das Jahr 1918 zurück und trägt ihren Namen seit 1942; sie ist dem Generalstab der Streitkräfte unterstellt.[4] Die britische Regierung führt für sie drei Einheiten für Cyber- und Hybridoperationen auf (26165, 29155 und 74455); das sind Zuschreibungen, keine gerichtlich festgestellten Tatsachen.[12] Mehr im Porträt der GRU.
Von der Tscheka zu FSB, SWR und GRU
Die erste sowjetische Geheimpolizei war die Tscheka von 1917; über GPU, OGPU, NKWD, NKGB und MGB führte die Linie 1954 zum KGB.[6] Das KGB war Inlands- und Auslandsnachrichtendienst sowie Geheimpolizei zugleich; nach dem gescheiterten Putsch vom August 1991 löste Michail Gorbatschow es am 3. Dezember 1991 auf, und seine Aufgaben übernahmen der Auslandsgeheimdienst SWR und der Inlandsgeheimdienst FSB.[5][6] Die GRU gehört nicht in diese Linie: Sie war schon in der Sowjetzeit der Militärnachrichtendienst, den das KGB nach Angaben des Spionagemuseums über seine Dritte Hauptverwaltung überwachte.[4][5] Mehr in den Porträts Tscheka und KGB.
Zusammenarbeit und Konkurrenz
Die Einschätzungen gehen auseinander. Nach dekoder prägt Konkurrenz zwischen den Diensten das System, etwa bei militärischer Aufklärung, Hackerangriffen und Desinformation, und der SWR agiere im Vergleich zu GRU und FSB öffentlich wenig sichtbar.[3] Der Analyst Mark Galeotti schrieb im Dezember 2024 dagegen, die Dienste arbeiteten eher zusammen als miteinander im Wettbewerb.[8] Beide Darstellungen sind Einschätzungen von Fachleuten und keine amtlichen Feststellungen.
Vorgehen gegen Deutschland
Das BfV nennt die Nachrichtendienste der Russischen Föderation an erster Stelle der gegenwärtigen Schwerpunkte der Spionageabwehr.[7] Nach dem Verfassungsschutzbericht 2025 sieht Russland sich in einem systemischen Konflikt mit den europäischen Demokratien; im Fokus stehen Deutschlands Ziele zum Kriegsverlauf in der Ukraine, die Bundeswehr, die Verteidigungsindustrie und die Unterstützung für die Ukraine.[9]
- Spionage: Bis 2022 liefen Aktivitäten häufig über Legalresidenturen, also über Botschaften und Generalkonsulate. Nach der Schließung von vier russischen Auslandsvertretungen gewinnen soziale Netzwerke und reisende Agenten an Bedeutung; Operationen werden außerdem aus den Zentralen in Moskau gesteuert.[9] Seit dem russischen Angriffskrieg wurden europaweit mehrere Hundert russische Nachrichtendienstangehörige ausgewiesen.[10]
- Sabotage: Russland nutzt nach dem BfV Stellvertreter-Strukturen, um Taten mit „plausibler Abstreitbarkeit“ durchzuführen; das erschwere die Unterscheidung von gesteuerten Sabotageakten und anderen Vorfällen.[9]
- Low-Level-Agenten: Seit dem Jahreswechsel 2023/2024 setzt Russland nach dem BfV zunehmend ungeschulte Amateure ein, die über Messengerdienste für einzelne Aufträge gegen vergleichsweise geringe Bezahlung angeworben werden und oft einen (klein-)kriminellen Hintergrund haben; sie werden auch bei staatlich gesteuerter Sabotage genutzt.[9]
- Cyber: Russische Cyberangriffe dienen vorrangig der Informationsbeschaffung; als Gruppen nennt das BfV APT 28 und APT 29.[9] Die Bundesregierung ordnete die Kampagne der Gruppe APT28 gegen den SPD-Parteivorstand im Mai 2024 dem russischen Militärgeheimdienst GRU zu.[11]
- Einflussnahme und Desinformation: Russland nutzt laut BfV seit Jahren illegitime Einflussaktivitäten, um die öffentliche Meinung in Deutschland zu beeinflussen; Ansatzpunkte sind oft antiliberale, antiwestliche oder prorussische Haltungen, vor allem an den politischen Rändern.[9]
Wie Spionage in Deutschland abgewehrt und verfolgt wird, erklärt der Beitrag Spionage und Spionageabwehr; die Zuständigkeiten der deutschen Dienste zeigt der Überblick Nachrichtendienste in Deutschland. Fachbegriffe wie „Legalresidentur“ erklärt das Glossar.
Zwei Behörden aus der Zeit Stalins haben eigene Porträts: das NKWD, zu dem die Staatssicherheit zwischen 1934 und 1946 zeitweise gehörte, und die militärische Spionageabwehr SMERSCH (1943–1946).
Häufige Fragen
Was unterscheidet FSB, SWR und GRU?
Der FSB ist vor allem der Inlandsdienst, der SWR der zivile Auslandsnachrichtendienst und die GRU die militärische Auslandsaufklärung. Die Bezeichnung „russischer Geheimdienst“ benennt daher keine einzelne eindeutige Behörde.[1]
Sind die heutigen russischen Dienste einfach der KGB unter anderem Namen?
Nein. Nach dem Ende der Sowjetunion wurden Aufgaben auf verschiedene Behörden verteilt. SWR und FSB haben Bezüge zum KGB; die militärische Aufklärung ist davon getrennt zu betrachten.[6][5][4]
Zum Weiterlesen
Putins Netz. Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste
SachbuchCatherine Belton · HarperCollins, aktualisierte Taschenbuchausgabe 2023 (Originaltitel: Putin's People) – Sachbuch (704 Seiten) über die Rolle ehemaliger KGB-Leute im heutigen Russland.
Geschichte der Geheimdienste. Von den Pharaonen bis zum Cyberkrieg
EinstiegWolfgang Krieger · C.H.Beck, 4. Auflage 2026 – Die Geschichte der Nachrichtendienste weltweit, von der Antike bis in die Gegenwart.
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Quellen
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Akteure und Angriffsmethoden (Cyberabwehr). Abgerufen am 14.10.2026.
- dekoder: Der FSB. Christopher Nehring, abgerufen am 14.10.2026.
- dekoder: Der russische Auslandsnachrichtendienst SWR. Christopher Nehring, abgerufen am 14.10.2026.
- Deutsches Spionagemuseum: GRU. Abgerufen am 14.10.2026.
- Deutsches Spionagemuseum: KGB: Schild und Schwert der Sowjetunion. 13.3.2022, abgerufen am 14.10.2026.
- Bundeszentrale für politische Bildung: „Volksfeinde“ im Visier. Anna Schor-Tschudnowskaja, 30.12.2016, abgerufen am 14.10.2026.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Akteure und Aktionsfelder. Abgerufen am 14.10.2026.
- Bundeszentrale für politische Bildung: Die Silowiki im Krieg: Die russischen Geheimdienste seit Februar 2022. Mark Galeotti, Russland-Analysen Nr. 459, 23.12.2024, abgerufen am 14.10.2026.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Spionage, Cyberangriffe und sonstige sicherheitsgefährdende oder geheimdienstliche Aktivitäten für eine fremde Macht (Verfassungsschutzbericht 2025). Abgerufen am 14.10.2026.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Der russische Angriffskrieg und seine Folgen für das nachrichtendienstliche Agieren Russlands gegen Deutschland. Seite aus dem März 2023, abgerufen am 14.10.2026.
- Die Bundesregierung: Attribuierung einer russischen Cyberkampagne (PDF), Mai 2024. Abgerufen am 14.10.2026.
- GOV.UK: Profile: GRU cyber and hybrid threat operations. Stand 13.7.2026, abgerufen am 14.10.2026.