Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt
Die GRU ist der militärische Auslandsnachrichtendienst der Russischen Föderation. Die Abkürzung steht für die russische Bezeichnung „Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije“, auf Deutsch Hauptverwaltung für Aufklärung.[1] Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) nennt sie neben dem Inlandsnachrichtendienst FSB und dem zivilen Auslandsnachrichtendienst SWR als einen der drei russischen Dienste, die im Cyberraum operieren.[2] Dieses Porträt beschreibt, was über die GRU öffentlich belegt ist. Wo Angaben fehlen, steht „nicht veröffentlicht“.
Das Wichtigste in Kürze
- Was: militärischer Auslandsnachrichtendienst Russlands, Sitz Moskau, dem Generalstab unterstellt.[1]
- Einheiten: Die britische Regierung nennt drei Cyber- und Hybrideinheiten: 26165 (APT28), 29155 und 74455 (Sandworm).[3]
- Vorwürfe: Die Bundesregierung ordnete die Cyberkampagne APT28 gegen die SPD im Mai 2024 dem Militärgeheimdienst GRU zu; sie nennt APT28 auch für den Bundestagsangriff 2015 verantwortlich.[4]
- Offen: Zu unabhängiger Kontrolle, Budget und Personal liegen keine belegten Angaben vor.
Einheitenname, Hackergruppe und staatliche Zuschreibung unterscheiden
Bei Berichten über die GRU stehen oft eine militärische Einheit, ein Gruppenname aus der Cybersicherheitsforschung und eine staatliche Zuschreibung nebeneinander. Diese Ebenen sollten getrennt bleiben. Die britische Regierung führt beispielsweise Einheit 26165 mit APT28 und Einheit 74455 mit Sandworm zusammen.[3] Die Bundesregierung ordnete die im Artikel beschriebene APT28-Kampagne 2024 der GRU zu.[4]
Eine solche Zuordnung muss mit der benannten Quelle und dem konkreten Vorgang gelesen werden. Der bekannte Name einer Gruppe allein ist kein zusätzlicher Nachweis für einen beliebigen anderen Angriff. Das Porträt trennt deshalb Organisationsangaben, amtliche Zuschreibungen und öffentlich benannte Ereignisse. Die Zuständigkeiten von FSB, SWR und GRU stellt der Russland-Überblick gegenüber.
Auftrag und Rolle
Nach Darstellung des Deutschen Spionagemuseums gehören militärische Aufklärung, Spionage und die strategische Informationsbeschaffung zu den klassischen Aufgaben der GRU. Heute zählen verdeckte Operationen und Cyberangriffe dazu.[1] Der Dienst hat seinen Sitz in Moskau und ist dem Generalstab der Streitkräfte unterstellt.[1]
Im deutschen Verfassungsschutz wird die GRU als „militärischer Auslandsnachrichtendienst“ geführt.[2] Das BfV beschreibt für die russischen Dienste insgesamt: Zentral sind Aktivitäten aus Legalresidenturen, also aus der Botschaft oder den Generalkonsulaten in Deutschland, mit diplomatischer Tarnung. Daneben setzen die Dienste „Illegale“ ein, die unter falscher Identität einreisen.[5] Die Darstellung des BfV zum russischen Angriffskrieg gilt allen russischen Diensten; sie nennt die GRU dort nicht einzeln.
Aufbau und bekannte Einheiten
Zur inneren Struktur der GRU gibt es nur wenige belegte Angaben. Das Deutsche Spionagemuseum beschreibt eine Gliederung in drei Hauptverwaltungen mit Spionage, Militärspionage und Desinformation sowie Analyse, Zahlen nennt es nicht.[1] Genauer bekannt sind einzelne Einheiten, die westliche Staaten öffentlich benannt haben. Die britische Regierung führt in einem Profil (Stand 13. Juli 2026) drei Einheiten auf:[3]
- Einheit 26165 (85. Hauptzentrum für Sonderdienste, auch APT28 oder „Fancy Bear“): Spionage und „Hack and Leak“, also gestohlene Daten, die veröffentlicht werden.
- Einheit 29155 (161. Ausbildungszentrum für Spezialisten, auch „Cadet Blizzard“): Sabotage und zerstörerische Cyberangriffe.
- Einheit 74455 (auch Sandworm): zerstörerische Angriffe auf kritische Infrastruktur.
Diese Zuordnungen sind Einschätzungen der britischen Regierung, keine gerichtlich festgestellten Tatsachen. Das gilt auch für die weiteren Zuschreibungen im selben Profil.[3]
Vorwürfe und bekannte Fälle
Cyberangriffe auf Deutschland. Die Bundesregierung veröffentlichte im Mai 2024 eine Attribuierung: Der Cyberakteur APT28 habe über längere Zeit eine damals unbekannte Sicherheitslücke in Microsoft Outlook ausgenutzt und mehrere E-Mail-Konten kompromittiert. Er könne „auf Grundlage belastbarer Informationen unserer Nachrichtendienste“ der Russischen Föderation und konkret dem Militärgeheimdienst GRU zugeordnet werden. Die Kampagne richtete sich gegen den SPD-Parteivorstand sowie gegen Regierungsstellen und Unternehmen aus Logistik, Rüstung, Luft- und Raumfahrt und IT-Dienstleistungen in Deutschland, anderen europäischen Staaten und der Ukraine. APT28 sei außerdem für den Cyberangriff auf den Bundestag 2015 verantwortlich.[4]
Gemeinsame Sicherheitshinweise. Im Mai 2025 veröffentlichten BND, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und das BfV gemeinsam mit internationalen Partnern einen Sicherheitshinweis zu Cyberaktivitäten der GRU-Einheit 26165. Die Angriffe zielten danach auf westliche Logistik- und Technologieunternehmen, vor allem solche, die an Hilfslieferungen für die Ukraine beteiligt sind, und auf Verkehrsknotenpunkte wie Flughäfen, Seehäfen und Bahnstrecken; sie dienten der Spionage.[6] Ein weiterer Hinweis vom September 2024 betrifft die Einheit 29155. Sie habe eine Geschichte von Sabotage- und Attentatsoperationen, ihre Mitglieder würden mit der Vergiftung von Sergei Skripal 2018 in Verbindung gebracht, und seit 2020 führe sie auch Cyberangriffe aus.[7]
Salisbury 2018. Die damalige britische Premierministerin erklärte am 5. September 2018 vor dem Unterhaus, die beiden Verdächtigen im Fall Skripal seien Offiziere des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Es sei keine „Rogue Operation“ gewesen, also keine Eigenmächtigkeit.[8] Das Deutsche Spionagemuseum nennt für den Anschlag die Einheit 29155.[1]
Ein Gerichtsurteil zu den genannten Zuschreibungen liegt nach den hier ausgewerteten Quellen nicht vor.
Kontrolle und Transparenz
Zur parlamentarischen oder unabhängigen Kontrolle der GRU gibt es in den ausgewerteten Quellen keine belegten Angaben. Leitung, Budget und Personalstärke sind nicht veröffentlicht; das Deutsche Spionagemuseum nennt für die Leitung seit 2018 Admiral Igor Kostjukow und hält fest, der Dienst habe nach dem Ende der Sowjetunion weniger Personal und Budget erhalten.[1] Wie deutsche Dienste kontrolliert werden, erklärt der Beitrag Wer kontrolliert Nachrichtendienste?
Geschichte
Das Deutsche Spionagemuseum führt die GRU auf das Jahr 1918 zurück, den Aufbau der Roten Armee. Vorläufer hießen zunächst „Registrierungsverwaltung“ und ab 1926 „Statistische Informationsverwaltung der Roten Armee“; den heutigen Namen trägt der Dienst seit 1942.[1] Zu den bekannten Operationen aus der Frühzeit zählt das Museum den Agenten Richard Sorge, der im Zweiten Weltkrieg von Japan aus früh vor Hitlers Angriffsplänen gewarnt haben soll.[1]
Wie die GRU in das Gesamtbild der Spionage gegen Deutschland passt, erklärt der Beitrag Spionage und Spionageabwehr. Fachbegriffe wie „Legalresidentur“ erläutert das Glossar.
Einen Überblick über alle russischen Dienste gibt der Beitrag Russischer Geheimdienst: FSB, SWR und GRU im Überblick.
Häufige Fragen
Was ist GRU?
Die GRU ist der militärische Auslandsnachrichtendienst der Russischen Föderation. Die Abkürzung steht für die russische Bezeichnung „Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije“, auf Deutsch Hauptverwaltung für Aufklärung. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) nennt sie neben dem Inlandsnachrichtendienst FSB und dem zivilen Auslandsnachrichtendienst SWR als einen der drei russischen Dienste, die im Cyberraum operieren.[1][2]
Welche Rolle hat die GRU?
Nach Darstellung des Deutschen Spionagemuseums gehören militärische Aufklärung, Spionage und die strategische Informationsbeschaffung zu den klassischen Aufgaben der GRU. Heute zählen verdeckte Operationen und Cyberangriffe dazu. Der Dienst hat seinen Sitz in Moskau und ist dem Generalstab der Streitkräfte unterstellt.[1]
Zum Weiterlesen
GRU. Die unbekannte Geschichte des sowjetisch-russischen Militärgeheimdienstes
StudieMatthias Uhl · Theiss, 2024 – Geschichte des sowjetischen und russischen Militärnachrichtendienstes (752 Seiten).
Putins Netz. Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste
SachbuchCatherine Belton · HarperCollins, aktualisierte Taschenbuchausgabe 2023 (Originaltitel: Putin's People) – Sachbuch (704 Seiten) über die Rolle ehemaliger KGB-Leute im heutigen Russland.
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Quellen
- Deutsches Spionagemuseum: GRU. Abgerufen am 13.10.2026.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Akteure und Angriffsmethoden (Cyberabwehr). Abgerufen am 13.10.2026.
- GOV.UK: Profile: GRU cyber and hybrid threat operations. Stand 13.7.2026, abgerufen am 13.10.2026.
- Die Bundesregierung: Attribuierung einer russischen Cyberkampagne (PDF), Mai 2024. Abgerufen am 13.10.2026.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Der russische Angriffskrieg und seine Folgen für das nachrichtendienstliche Agieren Russlands gegen Deutschland. Seite aus dem März 2023, abgerufen am 13.10.2026.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Pressemitteilung: Gemeinsamer Sicherheitshinweis zu Cyberaktivitäten der russischen GRU-Einheit 26165. 21.5.2025, abgerufen am 13.10.2026.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Gemeinsamer Sicherheitshinweis zu Cyberaktivitäten der russischen GRU-Einheit 29155. 5.9.2024, abgerufen am 13.10.2026.
- GOV.UK: PM statement on the Salisbury investigation: 5 September 2018. Abgerufen am 13.10.2026.