Dienst-Porträt · Russland · Russland

SWR

Dienst für Auslandsaufklärung der Russischen Föderation (SWR)

Der SWR ist der zivile Auslandsnachrichtendienst Russlands und ging 1991 aus der Ersten Hauptverwaltung des KGB hervor. Aufgaben, Leitung, Größe und Vorgehen nach dekoder, bpb und Verfassungsschutz – mit Quellen.

Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt

Der SWR (russisch: Dienst der Außenaufklärung) ist der zivile Auslandsnachrichtendienst der Russischen Föderation. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) führt ihn neben dem Inlandsdienst FSB und dem militärischen Auslandsdienst GRU als einen der drei russischen Dienste, die im Cyberraum operieren.[1] Dieses Porträt fasst zusammen, was das Portal dekoder und die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) über den SWR festhalten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Entstanden im Dezember 1991 aus der Ersten Hauptverwaltung des KGB.[2]
  • Aufgaben: Informationsbeschaffung im Ausland, Einflussoperationen und Desinformation.[2]
  • Größe: mindestens 15.000 Beschäftigte.[2]
  • Leitung: Sergej Naryschkin seit Oktober 2016 (Stand der Quellen).[2][3]

Entstehung

Nach dem Augustputsch 1991 und der Auflösung des KGB wurde der SWR im Dezember 1991 offiziell als Ausgliederung aus dem KGB gegründet. Vorläufer war die Erste Hauptverwaltung (PGU) des KGB, die für die Auslandsarbeit zuständig war; die PGU wurde zum SWR. Die Zentrale in Jassenewo diente schon seit den 1970er-Jahren als ihr Sitz.[2]

Aufgaben

Nach Darstellung von dekoder beschafft der SWR im Ausland politische, wirtschaftliche, wissenschaftlich-technische und militärische Informationen, betreibt Konkurrenzspionage sowie Einflussoperationen und Desinformation, die früher „aktive Maßnahmen“ hießen. Als Hauptgegner nennt der Text die USA und die NATO, gefolgt von Europa, China und dem internationalen Terrorismus.[2] Der SWR gilt als Instrument der russischen Außenpolitik, das den politischen Prozess unterstützen und sich diesem unterordnen soll, aber keine eigenständige politische Rolle spielen darf; einen formalen Vorgesetzten nennt der Text nicht.[2]

Leitung und Größe

Nach dem Beitrag von dekoder haben den Dienst geleitet: Jewgeni Primakow (1991–1996), Wjatscheslaw Trubnikow (1996–2000), Sergej Lebedew (2000–2007), Michail Fradkow (2007–2016) und seit Oktober 2016 Sergej Naryschkin. Seit 2007 stehen Zivilisten ohne Geheimdiensterfahrung an der Spitze.[2] Der Dienst hat dem Text zufolge mindestens 15.000 Mitarbeiter, rund 5.000 mehr als in den 1990er-Jahren.[2] Die bpb-Analyse von Mark Galeotti (Dezember 2024) bezeichnet Naryschkin als seit 2016 im Amt und die Führung als schwach.[3] Wer den Dienst heute leitet, wurde nicht geprüft.

Vorgehen

Der SWR setzt nach dekoder auf Legalresidenturen in offiziellen Auslandsvertretungen und auf „Illegale“, die unter falscher Identität leben. Als Beispiel nennt der Text das Ehepaar Anschlag, das 2011 in Deutschland festgenommen wurde; es war 1989 eingeschleust worden und hatte rund 20 Jahre unauffällig gelebt.[2] Nach den europaweiten Ausweisungen von 400 bis 600 vermuteten Spionen unter Diplomaten setzt der SWR laut Galeotti stärker auf Online-Anwerbung und Frontorganisationen und hat sich stärker auf disruptive Cyberangriffe umgestellt.[3] Nach niederländischen Angaben, die dekoder wiedergibt, wird die Hackergruppe APT29 („Cozy Bear“) dem SWR zugerechnet.[2] Zur Abwehr solcher Aktivitäten siehe den Beitrag Spionage und Spionageabwehr. Fachbegriffe wie „Legalresidentur“ erklärt das Glossar.

Einen Überblick über alle russischen Dienste gibt der Beitrag Russischer Geheimdienst: FSB, SWR und GRU im Überblick.

Häufige Fragen

Was ist der SWR?

Der SWR ist der zivile Auslandsnachrichtendienst der Russischen Föderation. Er ist vom Inlandsdienst FSB und vom militärischen Auslandsdienst GRU zu unterscheiden.[1]

Wie entstand der SWR?

Der SWR entstand im Dezember 1991 aus der Auslandsaufklärung des KGB. Sein Vorläufer war die Erste Hauptverwaltung des KGB.[2]

Zum Weiterlesen

Putins Netz. Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste

SachbuchCatherine Belton · HarperCollins, aktualisierte Taschenbuchausgabe 2023 (Originaltitel: Putin's People) – Sachbuch (704 Seiten) über die Rolle ehemaliger KGB-Leute im heutigen Russland.

Geschichte der Geheimdienste. Von den Pharaonen bis zum Cyberkrieg

EinstiegWolfgang Krieger · C.H.Beck, 4. Auflage 2026 – Die Geschichte der Nachrichtendienste weltweit, von der Antike bis in die Gegenwart.

Affiliate-Links: Wenn Sie über diese Links bei Amazon kaufen, erhalte ich eine kleine Provision; der Preis bleibt für Sie gleich. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.

Quellen

  1. Bundesamt für Verfassungsschutz: Akteure und Angriffsmethoden (Cyberabwehr). Abgerufen am 14.10.2026.
  2. dekoder: Der russische Auslandsnachrichtendienst SWR. Christopher Nehring, abgerufen am 14.10.2026.
  3. Bundeszentrale für politische Bildung: Die Silowiki im Krieg: Die russischen Geheimdienste seit Februar 2022. Mark Galeotti, Russland-Analysen Nr. 459, 23.12.2024, abgerufen am 14.10.2026.

Überblick: Russischer Geheimdienst: FSB, SWR und GRU im Überblick

Verwandte Dienste

  • FSB – Föderaler Sicherheitsdienst der Russischen Föderation (FSB), Russland
  • GRU – Hauptverwaltung für Aufklärung des Generalstabs (GRU), Russland