Dienst-Porträt · USA · Historische Dienste

OSS

Office of Strategic Services (OSS)

Das OSS verband im Zweiten Weltkrieg Spionage, Analyse und Spezialoperationen. Seine Auflösung 1945 erklärt, weshalb die CIA kein bloß umbenanntes OSS war.

Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt

Das Office of Strategic Services (OSS) war ein US-Nachrichtendienst des Zweiten Weltkriegs. Es sammelte Informationen, erstellte strategische Analysen und führte verdeckte Operationen durch. Präsident Franklin D. Roosevelt errichtete es am 13. Juni 1942 unter den Vereinigten Stabschefs. Als Vorläufer der CIA ist es bekannt; der institutionelle Weg zur späteren Behörde führte jedoch über eine Aufteilung der Aufgaben und mehrere Zwischenstationen.[1][2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Zeitraum: 13. Juni 1942 bis 1. Oktober 1945.[1]
  • Auftrag: Informationen für die Kriegführung beschaffen und auswerten, besondere Operationen ausführen.[2]
  • Organisation: getrennte Bereiche für Analyse, Spionage, Gegenspionage und Spezialoperationen.[3]
  • Nachwirkung: Teile gingen über SSU und CIG in die CIA ein; Forschung und Analyse wurden zunächst dem Außenministerium übertragen.[1][5]

Warum gründeten die USA das OSS?

Dem OSS ging das Office of the Coordinator of Information (COI) voraus, das seit 1941 unter William J. Donovan bestand. Die Neuordnung vom Juni 1942 teilte die Aufgaben: Der Foreign Information Service wechselte zum neu geschaffenen Office of War Information; die verbleibenden Teile bildeten das OSS. Es wurde der militärischen Führung durch die Joint Chiefs of Staff unterstellt.[1][2]

Der Gründungsauftrag verband zwei Tätigkeiten: strategische Informationen sammeln und analysieren sowie besondere Dienste nach Weisung der Stabschefs planen und durchführen. Das erklärt die ungewöhnliche Spannweite des OSS. Wissenschaftliche Auswertung und verdeckte Einsätze standen innerhalb derselben Organisation, waren aber unterschiedliche Arbeitsbereiche.[2]

Das OSS lässt sich deshalb weder allein als Kommandotruppe noch allein als Spionagedienst beschreiben. Bereits sein Auftrag sah vor, Erkenntnisse für Entscheidungen aufzubereiten und zugleich besondere Operationen zu unterstützen.[2]

Wie arbeitete der OSS-Geheimdienst?

Die Organisationsübersicht der US National Archives unterscheidet unter anderem folgende Bereiche:[3]

BereichFunktion
Research and Analysis (R&A)Forschung und nachrichtendienstliche Auswertung
Secret Intelligence (SI)Verdeckte Informationsbeschaffung
Counterintelligence (X-2)Gegenspionage
Special Operations (SO)Unterstützung des Widerstands und besondere Operationen
Morale Operations (MO)Verdeckte psychologische Kriegführung

Diese Trennung hilft, einen verbreiteten Begriffsfehler zu vermeiden: Informationen zu beschaffen, sie auszuwerten und durch eine Operation auf den Gegner einzuwirken sind verschiedene Aufgaben. Ein Agentenbericht ist zunächst Material für eine Einschätzung; eine Einschätzung ist noch keine Operation. Im OSS waren diese Tätigkeiten organisatorisch miteinander verbunden.[2][3]

Die Archivbestände zeigen außerdem die Infrastruktur hinter den Einsätzen: Ausbildung, Kommunikationswege, Karten, technische Entwicklung und Personalverwaltung. Geheimdienstarbeit bestand auch damals aus einem umfangreichen Apparat, der Informationen transportieren, ordnen und nutzbar machen musste.[1]

Wie groß war das OSS?

Die CIA nennt in ihrer Museumsdarstellung knapp 13.000 Männer und Frauen auf dem Höhepunkt. Eine Bestandsbeschreibung der National Archives schlüsselt für Oktober 1944 rund 5.500 militärische und 2.000 zivile Beschäftigte im Ausland sowie rund 2.700 militärische und 2.000 zivile Beschäftigte in den USA auf.[4][6]

Die Größenordnungen passen zusammen, doch eine Personalzahl allein erklärt weder die Reichweite noch den Erfolg eines Dienstes. Sie sagt insbesondere nicht, wie viele Personen gerade für eine bestimmte Operation verfügbar waren. Im Steckbrief steht deshalb eine gerundete und ausdrücklich als historische Größenordnung bezeichnete Angabe.

Wurde das OSS 1945 einfach zur CIA?

Nein. Präsident Harry S. Truman verfügte die Auflösung durch Executive Order 9621 vom 20. September 1945, wirksam zum 1. Oktober. Zwischen dem Datum der Entscheidung und dem Ende der Behörde ist zu unterscheiden.[1]

Die Aufgaben wurden aufgeteilt. Die Research and Analysis Branch gelangte zum Außenministerium. Die Bereiche für Spionage und Gegenspionage wurden im Kriegsministerium in der Strategic Services Unit (SSU) weitergeführt. 1946 entstand die Central Intelligence Group (CIG); 1947 folgte die CIA.[1][5]

Die Bezeichnung „CIA-Vorläufer“ ist damit sinnvoll, solange sie diese Brüche nicht verdeckt. Personal, Verfahren, Kontakte und Bestände konnten fortbestehen, obwohl die ursprüngliche Behörde aufgelöst worden war. Die CIA beschreibt solche Kontinuitäten ausdrücklich. Ihre eigene Gründung war dennoch ein neuer institutioneller Schritt.[4][5]

Für die Geschichte der amerikanischen Nachrichtendienste ist diese Aufteilung besonders aufschlussreich: Der Bestand eines Kriegsdienstes beantwortete noch nicht die Frage, wie Auslandsaufklärung im Frieden organisiert werden sollte. Die spätere Ordnung entstand erst nach Kriegsende.[5]

Was können die überlieferten OSS-Akten belegen?

Die National Archives erschließen die Unterlagen als Record Group 226. Dazu gehören Berichte, Korrespondenz, Karten und Unterlagen verschiedener Arbeitsbereiche. Der Bestand enthält auch Dokumente aus der Zeit vor der Gründung sowie aus Nachfolgeorganisationen. Ein Aktenzeitraum ist daher nicht mit der Lebensdauer des OSS gleichzusetzen.[1]

Für die Quellenkritik gilt außerdem: Ein Bericht über eine Lage und eine spätere Erfolgserzählung sind unterschiedliche Quellenarten. Die hier genutzten Archivbeschreibungen belegen Organisation und Überlieferung. Sie ersetzen keine Untersuchung jedes einzelnen Einsatzes. Dieses Porträt übernimmt deshalb keine pauschale Erfolgsbilanz aus Selbstdarstellungen.

Häufige Fragen

Wofür steht OSS?

Für Office of Strategic Services. In diesem Zusammenhang bezeichnet das Kürzel den amerikanischen Kriegsnachrichtendienst von 1942 bis 1945.[1]

Wann wurde das OSS aufgelöst?

Mit Wirkung zum 1. Oktober 1945. Die entsprechende Executive Order stammt vom 20. September 1945.[1]

Was ist der Unterschied zwischen OSS und CIA?

Das OSS war eine Organisation des Zweiten Weltkriegs unter den Vereinigten Stabschefs. Die CIA entstand 1947 nach einer Neuordnung, in die Teile des OSS über Zwischenorganisationen eingingen.[1][5]

Zur Fortsetzung: CIA und Nachrichtendienste der USA. Die verschiedenen Tätigkeiten erklärt der Beitrag Wie Nachrichtendienste arbeiten.

Zum Weiterlesen

Im Kampf gegen Nazideutschland. Die Berichte der Frankfurter Schule für den amerikanischen Geheimdienst 1943–1949

QuelleneditionFranz Neumann, Herbert Marcuse, Otto Kirchheimer · Raffaele Laudani (Hrsg.) · Campus, 2016 – Deutschsprachige Quellenedition (812 Seiten) zur Analysearbeit im OSS und ihrem Nachleben; keine allgemeine Einsatzgeschichte.

CIA. Die ganze Geschichte

SachbuchTim Weiner · Fischer Taschenbuch (Originaltitel: Legacy of Ashes) – Geschichte der CIA (864 Seiten) des US-Journalisten, gestützt auf freigegebene Akten und Interviews.

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Quellen

  1. US National Archives: Records of the Office of Strategic Services, Record Group 226, besonders Abschnitt 226.1. Gründung, Auflösung und Nachfolge; abgerufen am 15.10.2026.
  2. US National Archives: The Creation of the Office of Strategic Services. 24.8.2021; Gründungsauftrag und COI-Neuordnung. Abgerufen am 15.10.2026.
  3. US National Archives: Organization. Beschreibung der OSS-Arbeitsbereiche. Abgerufen am 15.10.2026.
  4. CIA Museum: The Office of Strategic Services: America’s First Intelligence Agency. Institutionelle Selbstdarstellung; Personalgrößenordnung und Kontinuitäten. Abgerufen am 15.10.2026.
  5. CIA Center for the Study of Intelligence: The CIA Under Harry Truman, 1945–1952. Einführung zur Dokumentenedition und zum Übergang von OSS zu CIA. Abgerufen am 15.10.2026.
  6. US National Archives: Military Agency Records: RG 226. Aufgaben und Personalstand Oktober 1944. Abgerufen am 15.10.2026.

Überblick: Geheimdienst der USA: CIA, NSA, FBI und die Intelligence Community

Verwandte Dienste

  • Organisation Gehlen – Organisation Gehlen (hervorgegangen aus der US-Operation „Rusty“), Deutschland (amerikanische Besatzungszone/Bundesrepublik)
  • HVA – Hauptverwaltung A (HV A) des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, Deutschland (DDR)
  • Stasi – Ministerium für Staatssicherheit (MfS), Deutschland (DDR)
  • Fremde Heere Ost – Abteilung Fremde Heere Ost (FHO), 12. Abteilung des Generalstabs des Heeres, Deutschland (NS-Staat)
  • Gestapo – Geheime Staatspolizei (Gestapo), Deutschland (NS-Staat)
  • SD / RSHA – Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (SD) und Reichssicherheitshauptamt (RSHA), Deutschland (NS-Staat)