Dienst-Porträt · Vereinigtes Königreich · Europa

MI6

Secret Intelligence Service (SIS, „MI6“)

Der Secret Intelligence Service (MI6) ist der britische Auslandsnachrichtendienst. Gründung 1909, gesetzliche Grundlage, Leitung, Aufsicht durch Parlament und unabhängige Kommissare – mit Quellen.

Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt

Der Secret Intelligence Service (SIS), international meist MI6 genannt, ist der Auslandsnachrichtendienst des Vereinigten Königreichs. Nach Angaben der britischen Regierung sammelt er die auslandsbezogenen Informationen Großbritanniens und soll der Regierung eine globale verdeckte Fähigkeit bereitstellen, um die nationale Sicherheit und das wirtschaftliche Wohl des Landes zu schützen und zu fördern.[1] Dieses Porträt fasst zusammen, was der Dienst, die britische Regierung und das Parlament selbst veröffentlicht haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gegründet 1909 als Teil des Secret Service Bureau; die Zuständigkeit für die Auslandsaufklärung steht seit dem Intelligence Services Act 1994 im Gesetz.[2][3]
  • Aufgabe: Informationen über Handlungen und Absichten von Personen außerhalb der britischen Inseln beschaffen.[4]
  • Leitung: Blaise Metreweli, 18. Chief und erste Frau in diesem Amt; der Chief ist dem Foreign Secretary gegenüber rechenschaftspflichtig.[5]
  • Aufsicht: Intelligence and Security Committee des Parlaments und unabhängige Kommissare.[6][7]

Warum 1909 und 1994 zwei verschiedene Fragen beantworten

Der MI6 führt seine Geschichte auf das Secret Service Bureau von 1909 zurück. Der Intelligence Services Act von 1994 legte seine Aufgaben auf eine ausdrückliche gesetzliche Grundlage.[2][3][4] Zwischen diesen Daten liegt kein Widerspruch: Das eine bezeichnet den historischen Ursprung, das andere die gesetzliche Regelung des späteren Dienstes.

Die Unterscheidung ist auch bei anderen Porträts nützlich. Ein „Gründungsdatum“ kann einen Vorläufer, eine organisatorische Neuordnung oder das Inkrafttreten eines Gesetzes meinen. Ohne diesen Zusatz wirkt eine präzise Jahreszahl eindeutiger, als sie ist. Für den MI6 erklärt der Artikel außerdem die heutige Aufgabenteilung mit MI5 und GCHQ sowie die unterschiedlichen Kontrollinstanzen.

Aufgabe und rechtliche Grundlage

Der Dienst beschreibt seine Verantwortung für die Auslandsaufklärung als „vor mehr als einem Jahrhundert“ begründet; sie wurde im Intelligence Services Act 1994 gesetzlich geregelt.[2] Nach diesem Gesetz steht der Dienst unter der Autorität des zuständigen Ministers. Seine Hauptfunktion ist, Informationen über Handlungen oder Absichten von Personen außerhalb der britischen Inseln zu beschaffen und zu liefern. Er darf diese Funktionen nur wahrnehmen im Interesse der nationalen Sicherheit (mit besonderem Bezug auf Verteidigungs- und Außenpolitik), im Interesse des wirtschaftlichen Wohlergehens des Vereinigten Königreichs oder zur Unterstützung der Verhütung oder Aufdeckung schwerer Straftaten.[4]

Geschichte

Der SIS führt seine Anfänge auf das Jahr 1909 zurück: In den frühen 1900er-Jahren fühlten sich die Briten durch die wachsende Macht Deutschlands bedroht, und es wurde ein Secret Service Bureau eingerichtet.[3] Aus dieser Arbeitsteilung gingen später die britischen Inlands- und Auslandsdienste hervor; wie das im Einzelnen geschah, beschreibt der Beitrag Eine kurze Geschichte der Nachrichtendienste. Zum britischen Inlandsdienst gibt es ein eigenes Porträt: MI5.

Leitung

Der Leiter des Dienstes heißt „Chief“. Die britische Regierung kündigte am 15. Juni 2025 an, dass Blaise Metreweli, bisher Director General „Q“ für Technologie und Innovation, der 18. Chief des Dienstes und die erste Frau in dieser Position werden soll; ihr Vorgänger Sir Richard Moore verließ den Dienst im Herbst 2025. Der Chief trägt die operative Verantwortung für den MI6, ist das einzige öffentlich genannte Mitglied des Dienstes und dem Foreign Secretary gegenüber rechenschaftspflichtig.[5] Am 15. Dezember 2025 hielt Metreweli als Chief of SIS eine öffentliche Rede.[1]

Kontrolle

Das Intelligence and Security Committee of Parliament (ISC) ist nach eigenen Angaben das Gremium des Parlaments mit gesetzlicher Verantwortung für die Aufsicht über die britische Nachrichtendienstgemeinschaft. Es wurde durch den Intelligence Services Act 1994 geschaffen; seine Befugnisse wurden im Justice and Security Act 2013 gestärkt. Es überwacht Politik, Ausgaben, Verwaltung und Operationen von MI5, MI6, GCHQ und weiteren Stellen und besteht aus neun Mitgliedern beider Häuser, die vom Parlament ernannt werden.[6] Zusätzlich prüft das Investigatory Powers Commissioner’s Office (IPCO), wie Behörden – darunter Nachrichtendienste – bestimmte Ermittlungsbefugnisse einsetzen. Es entstand im September 2017 auf Grundlage des Investigatory Powers Act 2016; sogenannte Judicial Commissioners, amtierende oder frühere Mitglieder der höheren Justiz, genehmigen bestimmte Maßnahmen unabhängig.[7] Zum Vergleich: Die Kontrolle der deutschen Dienste beschreibt der Beitrag Wer kontrolliert Nachrichtendienste?

Zahlen

Zum Haushalt gibt es in den hier ausgewerteten Quellen keine Angabe. Das Deutsche Spionagemuseum nennt für 2021 eine Schätzung von rund 3.644 Beschäftigten und führt London als Sitz.[8] Fachbegriffe erklärt das Glossar.

Häufige Fragen

Was ist MI6?

Der Secret Intelligence Service (SIS), international meist MI6 genannt, ist der Auslandsnachrichtendienst des Vereinigten Königreichs. Nach Angaben der britischen Regierung sammelt er die auslandsbezogenen Informationen Großbritanniens und soll der Regierung eine globale verdeckte Fähigkeit bereitstellen, um die nationale Sicherheit und das wirtschaftliche Wohl des Landes zu schützen und zu fördern.[1]

Wer kontrolliert MI6?

Das Intelligence and Security Committee of Parliament überwacht unter anderem Politik, Ausgaben und Operationen der britischen Dienste. Das Investigatory Powers Commissioner’s Office kontrolliert den Einsatz bestimmter Ermittlungsbefugnisse; Judicial Commissioners genehmigen bestimmte Maßnahmen unabhängig.[6][7]

Zum Weiterlesen

Der Spion und der Verräter. Die spektakulärste Geheimdienstgeschichte des Kalten Krieges

SachbuchBen Macintyre · Insel Verlag, 2. Auflage 2025 (Originaltitel: The Spy and the Traitor) – Sachbuch (493 Seiten) über den KGB-Offizier Oleg Gordijewski, der sich laut Verlag dem britischen MI6 als Doppelagent anbot – ein Beispiel für HUMINT.

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Quellen

  1. GOV.UK: Secret Intelligence Service. Abgerufen am 14.10.2026.
  2. SIS: About us. Abgerufen am 14.10.2026.
  3. SIS: Our history. Abgerufen am 14.10.2026.
  4. legislation.gov.uk: Intelligence Services Act 1994, Section 1. Abgerufen am 14.10.2026.
  5. GOV.UK: First ever female MI6 chief appointed. 15.6.2025, abgerufen am 14.10.2026.
  6. Intelligence and Security Committee of Parliament: Startseite. Abgerufen am 14.10.2026.
  7. Investigatory Powers Commissioner’s Office: Who we are. Abgerufen am 14.10.2026.
  8. Deutsches Spionagemuseum: Secret Services of the World. Abgerufen am 14.10.2026.

Überblick: Britischer Geheimdienst: MI5, MI6 und GCHQ im Überblick

Verwandte Dienste

  • VSSE – Veiligheid van de Staat / Sûreté de l'État (VSSE), Belgien
  • PET – Politiets Efterretningstjeneste (PET), Danish Security and Intelligence Service, Dänemark
  • BfV – Bundesamt für Verfassungsschutz, Deutschland
  • BND – Bundesnachrichtendienst, Deutschland
  • MAD – Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst, Deutschland
  • Supo – Suojelupoliisi (Supo), Finnish Security and Intelligence Service, Finnland