Die folgenden Personen gehören zu den bekanntesten Agenten des 20. Jahrhunderts. Die Porträts sind bewusst kurz und stützen sich auf Angaben von Archiven, Museen und – für die jüngeren Einträge – Wikipedia. Wo Quellen keine Zahlen oder Daten nennen, nennt auch diese Seite keine. Einordnungen zum Thema Spionage finden Sie im Beitrag Spionage und Spionageabwehr.
Günter Guillaume (1927–1995)
Günter Guillaume wurde am 1. Februar 1927 in Berlin geboren und starb am 10. April 1995 in Berlin. Er arbeitete ab 1950 für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR. 1956 ging er im Auftrag des MfS mit seiner Frau Christel in die Bundesrepublik, trat 1957 der SPD bei und stieg in Frankfurt am Main auf.[1] Das MfS hatte ihm den Auftrag „Integration und Aufklärung der SPD“ erteilt.[2] 1969 kam er ins Bundeskanzleramt, 1972 wurde er persönlicher Referent von Bundeskanzler Willy Brandt.[1][2]
Ende Mai 1973 erfuhr Brandt von Innenminister Genscher, dass Guillaume des Landesverrats verdächtigt wurde; der Verfassungsschutz riet, ihn im Amt zu belassen, um ihn zu überführen.[2] Am 24. April 1974 wurden Guillaume und seine Frau verhaftet. Am 6. Mai 1974 übernahm Brandt die politische Verantwortung und trat zurück.[1] Im Dezember 1975 verurteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf Guillaume wegen Landesverrats zu 13 Jahren Haft, seine Frau erhielt acht Jahre; 1981 kam er im Rahmen eines Agentenaustauschs frei und galt in der DDR als „Kundschafter des Friedens“.[1] Mehr zum Stasi-Hintergrund steht im Porträt der Stasi.
Guillaume, der Spion. Eine deutsch-deutsche Karriere
BiografieEckard Michels · Ch. Links, 2013 – Biografie (416 Seiten) des DDR-Spions Günter Guillaume, der als Referent von Bundeskanzler Willy Brandt enttarnt wurde.
Markus Wolf (1923–2006)
Markus Wolf wurde am 19. Januar 1923 in Hechingen geboren und starb am 9. November 2006 in Berlin.[11] Er leitete nach Angaben des Deutschen Spionagemuseums 34 Jahre lang die Auslandsspionage der Stasi und galt im Westen lange als „Mann ohne Gesicht“; seine Identität wurde schließlich mithilfe eines Überläufers aus den eigenen Reihen aufgedeckt.[3] Das Bundesarchiv nennt ihn als Leiter der Hauptverwaltung A bis 1986; sein Nachfolger bis 1989/90 war Werner Großmann.[4] Wolf selbst hat seine Erinnerungen veröffentlicht (siehe Bücher unten).
Spionagechef im geheimen Krieg
ErinnerungenMarkus Wolf · List, 1997 – Erinnerungen des langjährigen Chefs der DDR-Auslandsspionage (511 Seiten) – eine Darstellung aus der Sicht des Beteiligten.
Richard Sorge (1895–1944)
Richard Sorge wurde am 4. Oktober 1895 bei Baku geboren und am 7. November 1944 in Tokio hingerichtet.[12] Er lieferte nach Angaben des Deutschen Spionagemuseums im Zweiten Weltkrieg aus Japan, dem Verbündeten Deutschlands, wertvolle Informationen an Stalin.[3] Das Museum führt ihn im Zusammenhang mit der GRU und schreibt, er habe früh vor Hitlers Angriffsplänen gewarnt.[5] Mehr zum Dienst finden Sie im Porträt der GRU.
Mata Hari (1876–1917)
Die als Tänzerin berühmte Margaretha Geertruida Zelle, genannt Mata Hari, stammte aus den Niederlanden und bezahlte ihre Spionagetätigkeit im Ersten Weltkrieg mit dem Leben.[3] Sie wurde am 7. August 1876 in Leeuwarden geboren und am 15. Oktober 1917 in Vincennes bei Paris hingerichtet.[13]
Mata Hari. Ihre wahre Geschichte
BiografiePhilippe Collas · Piper Taschenbuch, 2010 (Originaltitel: Mata Hari. Sa véritable histoire) – Biografie (464 Seiten) der Tänzerin, die 1917 als Spionin erschossen wurde.
Kim Philby († 1988)
Kim Philby stieg beim britischen Geheimdienst auf und koordinierte die Zusammenarbeit mit den US-Diensten. Als Doppelagent gab er Moskau Einblick in diese gemeinsame Arbeit.[3] 1963 setzte er sich nach Moskau ab; er starb 1988.[8][14] Sein Geburtsjahr ist in den hier ausgewerteten Quellen nicht belegt.
A Spy Among Friends
SerieSerie · Prime Video – Fernsehserie nach der wahren Geschichte von Kim Philby und seinem Freund Nicholas Elliott (englisch).
Oleg Penkowski († 1963)
Oleg Penkowski war nach Angaben des Deutschen Spionagemuseums ein sowjetischer GRU-Offizier, der für den britischen MI6 und die amerikanische CIA arbeitete und die Kuba-Krise beeinflusste.[3] Er wurde am 22. Oktober 1962 verhaftet und im Mai 1963 wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und hingerichtet; sein Geburtsdatum ist in den hier ausgewerteten Quellen nicht belegt.[15]
Klaus Fuchs (1911–1988)
Klaus Fuchs (1911–1988) war theoretischer Physiker.[16] Er arbeitete in Los Alamos am amerikanischen Atombombenprojekt (Manhattan-Projekt) und gab laut Wikipedia ab 1942 Informationen an die Sowjetunion weiter.[6] Am 24. Januar 1950 gestand er einem MI5-Offizier, am 1. März 1950 wurde er in London nach dem Official Secrets Act zu 14 Jahren Haft verurteilt; am 23. Juni 1959 kam er frei und zog in die DDR. Er starb 1988 in der DDR.[6][16]
Aldrich Ames (1941–2026)
Aldrich Ames war von 1962 bis 1994 Mitarbeiter der CIA und spionierte ab April 1985 für die Sowjetunion und später für Russland. Er wurde am 21. Februar 1994 festgenommen und zu lebenslanger Haft ohne Aussicht auf Entlassung verurteilt.[7] Im Januar 2026 starb er im Alter von 84 Jahren im Bundesgefängnis in Cumberland, Maryland.[17]
Die „Cambridge Five“
Als „Cambridge Five“ gelten Donald Maclean, Guy Burgess, Kim Philby, Anthony Blunt und John Cairncross: fünf Briten, die in den 1930er-Jahren für die Sowjetunion angeworben wurden und später in Außenministerium, MI5 und MI6 arbeiteten.[8] Burgess und Maclean setzten sich im Sommer 1951 in die Sowjetunion ab; dass sie dort waren, wurde 1956 öffentlich bestätigt.[8] Philby ging 1963 nach Moskau. Blunt gestand 1964 gegen Zusicherung von Straffreiheit; öffentlich machte die Premierministerin Margaret Thatcher das im November 1979.[8]
Oleg Gordijewski (1938–2025)
Oleg Gordijewski war Oberst des sowjetischen KGB. Der britische MI6 führte ihn nach Angaben von Wikipedia ab 1974 als Doppelagenten; im April 1985 stieg er zum designierten Residenten in London auf. Im Juli 1985 brachte ihn der MI6 mit der Operation „Pimlico“ aus der Sowjetunion nach Finnland. Er wurde 1938 in Moskau geboren, lebte nach seiner Flucht in Großbritannien und starb dort am 4. März 2025.[9][18] Mehr zum Dienst: KGB.
Der Spion und der Verräter. Die spektakulärste Geheimdienstgeschichte des Kalten Krieges
SachbuchBen Macintyre · Insel Verlag, 2. Auflage 2025 (Originaltitel: The Spy and the Traitor) – Sachbuch (493 Seiten) über den KGB-Offizier Oleg Gordijewski, der sich laut Verlag dem britischen MI6 als Doppelagent anbot – ein Beispiel für HUMINT.
Eli Cohen († 1965)
Eli Cohen arbeitete für den israelischen Auslandsdienst Mossad und lebte ab Februar 1962 unter der Identität eines syrischen Geschäftsmanns, Kamel Amin Thabet, in Damaskus. Syrische Sicherheitskräfte nahmen ihn am 24. Januar 1965 fest; am 18. Mai 1965 wurde er in Damaskus öffentlich gehängt.[10][19] Er stammte aus Ägypten; sein genaues Geburtsdatum wird unterschiedlich angegeben.[19] Mehr zum Dienst: Mossad.
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Häufige Fragen
Was unterscheidet diese Porträts von erfundenen Agentengeschichten?
Die Seite behandelt historische Personen, die tatsächlich existiert haben, und ihre dokumentierten Tätigkeiten. Die Belege stehen jeweils bei den Porträts und in der Quellenliste; erfundene Figuren behandelt die Seite Fiktionale Agenten.
Was bedeuten die Jahreszahlen bei den echten Agenten?
Die Überschriften nennen Lebensdaten. Wenn das Geburtsjahr nicht seriös belegt ist, wird nur das belegte Todesjahr mit einem Kreuz angegeben. Fehlende Daten werden nicht durch Schätzungen ersetzt.
Quellen
- Haus der Geschichte: Günter Guillaume (LeMO – Lebendiges Museum Online). Abgerufen am 13.10.2026.
- Bundesarchiv: Günter Guillaume – der Spion, den niemand stoppte. Abgerufen am 13.10.2026.
- Deutsches Spionagemuseum: Berühmte Spione und Agenten. Abgerufen am 13.10.2026.
- Bundesarchiv: Was war die Stasi? Abgerufen am 13.10.2026.
- Deutsches Spionagemuseum: GRU. Abgerufen am 13.10.2026.
- Wikipedia: Klaus Fuchs. Abgerufen am 14.10.2026.
- Wikipedia: Aldrich Ames. Abgerufen am 14.10.2026.
- Wikipedia: Cambridge Five. Abgerufen am 14.10.2026.
- Wikipedia: Oleg Gordievsky. Abgerufen am 14.10.2026.
- Wikipedia: Eli Cohen. Abgerufen am 14.10.2026.
- Stiftung Haus der Geschichte: Markus Wolf (LeMO). Abgerufen am 14.10.2026.
- Peter Herde: Sorge, Richard. In: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 600–601, abgerufen am 14.10.2026.
- Fries Museum: Mata Hari. Abgerufen am 14.10.2026.
- Deutsches Spionagemuseum: Flucht eines Topspions: Am 1. Juli 1963 gibt die britische Regierung zu, dass Kim Philby entkommen ist. 1.7.2020, abgerufen am 14.10.2026.
- Deutsches Spionagemuseum: Oleg Penkowski: Wichtigster Doppelagent im Kalten Krieg?. 22.10.2017, abgerufen am 14.10.2026.
- Deutsche Biographie: Fuchs, Klaus (Registereintrag). Abgerufen am 14.10.2026.
- PBS NewsHour / Associated Press: CIA turncoat Aldrich Ames, who sold U.S. secrets to the Soviets, dies in prison at 84. 7.1.2026, abgerufen am 14.10.2026.
- Associated Press (Global News): Cold War spy Oleg Gordievsky dies. 22.3.2025, abgerufen am 14.10.2026.
- Aaron Reich: Eli Cohen. The Jerusalem Post, 17.12.2024, abgerufen am 14.10.2026.