Dienst-Porträt · Norwegen · Europa

PST

Politiets sikkerhetstjeneste (PST)

Der PST ist Norwegens Sicherheitsdienst – ausdrücklich ein Polizeiorgan, das Spionage, Terror und Drohungen gegen Amtsträger verhütet und ermittelt. Geschichte seit 1937, Polizeigesetz, Kontrolle durch den EOS-Ausschuss, Lehren aus dem 22. Juli 2011 – mit Quellen.

Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt

Der Politiets sikkerhetstjeneste (PST) ist der Sicherheitsdienst Norwegens. Er beschreibt sich selbst als Nachrichten-, Sicherheits- und Polizeidienst zugleich und ist Teil der norwegischen Polizei.[1] Damit gehört Norwegen zu den Staaten, in denen Nachrichtendienst und Polizei in einer Behörde liegen. Dieses Porträt stützt sich auf das norwegische Polizeigesetz, die Angaben des PST und den Bericht der Kommission zum 22. Juli 2011.

Das Wichtigste in Kürze

  • Polizeiorgan: Der PST ist Teil der Polizei und darf in seinen Bereichen ermitteln.[1][2]
  • Geschichte: Ursprünge 1937, seit 2002 unter dem heutigen Namen.[4]
  • 22. Juli 2011: Die Untersuchungskommission hielt es für möglich, dass der PST den Täter vorher hätte entdecken können.[6]

Aufgaben und Befugnisse

Das Polizeigesetz regelt den PST in einem eigenen Kapitel. Als Nachrichtendienst erstellt er Analysen zu Bedrohungen der Souveränität, der Demokratie und nationaler Sicherheitsinteressen. Als Polizei soll er Straftaten wie Spionage, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, Sabotage, politisch motivierte Gewalt und Drohungen gegen Amtsträger verhüten und ermitteln.[2] Offene Ermittlungen in solchen Fällen führt aber grundsätzlich die übrige Polizei, sofern die Staatsanwaltschaft nichts anderes bestimmt. Für vorbeugende Zwangsmittel braucht der PST eine gerichtliche Genehmigung.[2] Er ist außerdem für den Personenschutz norwegischer und ausländischer Amtsträger zuständig.[1]

Kontrolle

Der PST untersteht direkt dem Justiz- und Bereitschaftsministerium.[1][4] Das Parlament kontrolliert ihn über den EOS-Ausschuss, der vier Dienste beaufsichtigt.[3] Dazu kommen Rechnungshof, Staatsanwaltschaft und Gerichte.[1]

Geschichte

1937 wurde der Überwachungsdienst der Polizei durch eine Anweisung des Justizministeriums landesweit organisiert. 1952 entstand die „Overvåkingssentralen“, 1980 folgte der Name Politiets overvåkingstjeneste (POT), 2002 der heutige Name.[4] Seine heutige Rechtsgrundlage im Polizeigesetz gilt seit dem 1. Januar 2002.[2]

Der 22. Juli 2011

Nach den Anschlägen in Oslo und auf Utøya am 22. Juli 2011 kam die Untersuchungskommission zu dem Ergebnis, der PST hätte dem Täter vor dem 22. Juli auf die Spur kommen können; eine Grundlage für die Aussage, der PST hätte die Anschläge verhindern können und müssen, fand sie aber nicht.[6] Eine externe Prüfung des PST im Auftrag des Justizministeriums legte am 1. Dezember 2012 einen Bericht mit 56 Vorschlägen vor.[7]

Leitung und Haushalt

Beate Gangås wurde im Oktober 2022 zur Chefin des PST ernannt und ist seit 1. Dezember 2022 im Amt; die Stelle ist auf höchstens sechs Jahre befristet.[1] Für den laufenden Betrieb standen 2025 rund 1,9 Milliarden Kronen zur Verfügung.[5] Hauptsitz ist Oslo-Nydalen; Mitarbeitende gibt es in allen Polizeidistrikten.[1][4]

Einordnung

Norwegen folgt wie Dänemark und Schweden dem skandinavischen Modell eines Sicherheitsdienstes innerhalb der Polizei. Mehr dazu im Beitrag Inlandsnachrichtendienste im Vergleich.

Häufige Fragen

Was ist PST?

Der Politiets sikkerhetstjeneste (PST) ist der Sicherheitsdienst Norwegens. Er beschreibt sich selbst als Nachrichten-, Sicherheits- und Polizeidienst zugleich und ist Teil der norwegischen Polizei. Damit gehört Norwegen zu den Staaten, in denen Nachrichtendienst und Polizei in einer Behörde liegen.[1]

Wer kontrolliert PST?

Der PST untersteht direkt dem Justiz- und Bereitschaftsministerium. Das Parlament kontrolliert ihn über den EOS-Ausschuss, der vier Dienste beaufsichtigt. Dazu kommen Rechnungshof, Staatsanwaltschaft und Gerichte.[1][4][3]

Zum Weiterlesen

Geschichte der Geheimdienste. Von den Pharaonen bis zum Cyberkrieg

EinstiegWolfgang Krieger · C.H.Beck, 4. Auflage 2026 – Die Geschichte der Nachrichtendienste weltweit, von der Antike bis in die Gegenwart.

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Quellen

  1. PST: Om PST. Abgerufen am 14.10.2026.
  2. Lovdata: Lov om politiet (politiloven), Kapittel III a. Abgerufen am 14.10.2026.
  3. EOS-utvalget: The EOS Committee. Abgerufen am 14.10.2026.
  4. Ivar Husby: Politiets sikkerhetstjeneste. Store norske leksikon, 23.6.2026, abgerufen am 14.10.2026.
  5. PST: Årsregnskap 2025. Abgerufen am 14.10.2026.
  6. 22. juli-kommisjonen: NOU 2012:14 Rapport fra 22. juli-kommisjonen. 13.8.2012, abgerufen am 14.10.2026.
  7. Stortinget: Innst. 425 S (2012–2013). Abgerufen am 14.10.2026.

Überblick: Nachrichtendienste in Skandinavien und Finnland: PET, PST, Säpo und Supo

Verwandte Dienste

  • VSSE – Veiligheid van de Staat / Sûreté de l'État (VSSE), Belgien
  • PET – Politiets Efterretningstjeneste (PET), Danish Security and Intelligence Service, Dänemark
  • BfV – Bundesamt für Verfassungsschutz, Deutschland
  • BND – Bundesnachrichtendienst, Deutschland
  • MAD – Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst, Deutschland
  • Supo – Suojelupoliisi (Supo), Finnish Security and Intelligence Service, Finnland