Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt
Dänemark, Norwegen und Schweden haben für den Schutz vor Spionage, Terrorismus und anderen Gefahren für den Staat ein ähnliches Modell gewählt: Ihr Sicherheitsdienst ist Teil der Polizei oder selbst eine Polizeibehörde. Das zeigen schon die Namen – „Politiets Efterretningstjeneste“ (Dänemark), „Politiets sikkerhetstjeneste“ (Norwegen), „Säkerhetspolisen“ (Schweden). Finnland hatte lange ein ähnliches System, hat seinen Dienst aber 2019 grundlegend umgebaut. Dieser Überblick zeigt das Gemeinsame, die Unterschiede und die Kontrolle der vier Dienste.
Das Wichtigste in Kürze
- Dänemark – PET: Teil der Polizei; für seine Ermittlungen gilt die Strafprozessordnung.[2]
- Norwegen – PST: ein Polizeiorgan, das bestimmte Straftaten verhüten und ermitteln soll.[5][6]
- Schweden – Säpo: seit 2015 eigenständig und eine von zwei Polizeibehörden des Landes.[8][9]
- Finnland – Supo: formal eine Polizeieinheit, aber seit Juni 2019 ohne Ermittlungs- und Festnahmebefugnisse.[12][13]
Das skandinavische Modell
In Deutschland sind Nachrichtendienst und Polizei getrennt: Der Verfassungsschutz sammelt Informationen, festnehmen darf er niemanden. In Skandinavien ist das anders. Der Sicherheitsdienst sammelt Informationen und darf in seinem Bereich auch selbst als Polizei handeln. Wie sich dieses Modell von anderen unterscheidet, zeigt der Beitrag Inlandsnachrichtendienste im Vergleich; warum Deutschland die Trennung gewählt hat, erklärt der Beitrag Nachrichtendienst oder Polizei?.
Die Länder im Einzelnen
Dänemark: PET. Der Politiets Efterretningstjeneste soll nach seinem Gesetz Straftaten gegen die Unabhängigkeit und Sicherheit des Staates vorbeugen, ermitteln und abwehren; dazu kommen Bedrohungsbewertungen und Personenschutz. Für seine Ermittlungen und Zwangsmaßnahmen gelten die Regeln der Strafprozessordnung.[2] Der PET gehört zum Geschäftsbereich des Justizministeriums; sein Chef berichtet direkt an den Justizminister.[1] Mehr im Porträt des PET.
Norwegen: PST. Das norwegische Polizeigesetz regelt den Politiets sikkerhetstjeneste in einem eigenen Kapitel. Als Nachrichtendienst erstellt er Analysen zu Bedrohungen der nationalen Sicherheit; als Polizei soll er Straftaten wie Spionage, Sabotage, politisch motivierte Gewalt und Drohungen gegen Amtsträger verhüten und ermitteln. Offene Ermittlungen führt aber grundsätzlich die übrige Polizei, sofern die Staatsanwaltschaft nichts anderes bestimmt; für vorbeugende Zwangsmittel braucht der PST eine gerichtliche Genehmigung.[6] Er untersteht direkt dem Justiz- und Bereitschaftsministerium.[5] Mehr im Porträt des PST.
Schweden: Säpo. Die Säkerhetspolisen geht auf das Jahr 1914 zurück. Lange gehörte sie zur Reichspolizeibehörde; seit dem 1. Januar 2015 ist sie eine eigenständige Behörde, nach eigener Darstellung mit unverändertem Auftrag.[8] Nach dem Polizeigesetz wird Polizeiarbeit in Schweden von der Polizeibehörde und der Säkerhetspolisen geleistet.[9] Die Säpo soll Straftaten gegen die Sicherheit des Reiches und Terrorstraftaten verhindern und aufdecken. Sie hat rund 2.000 Beschäftigte.[9][11] Mehr im Porträt der Säpo.
So ähnlich die drei Dienste sind, im Detail unterscheiden sie sich: Der PET ist in die Polizei eingebunden und ermittelt selbst in Strafsachen, der PST überlässt offene Ermittlungen in der Regel der übrigen Polizei, und die Säpo ist eine eigene Polizeibehörde neben der allgemeinen Polizei.[2][6][9]
Finnland: der Sonderfall seit 2019
Die finnische Suojelupoliisi (Supo) begann ihre Arbeit 1949.[16] Nach dem Gesetz über die Polizeiverwaltung ist sie bis heute eine Einheit unter dem Innenministerium.[14] Mit den Nachrichtendienstgesetzen, die im Juni 2019 in Kraft traten, änderte sich ihre Rolle aber grundlegend: Sie verlor die Befugnis zu strafrechtlichen Ermittlungen und damit auch zu Zwangsmitteln; seit dem 1. Juni 2019 hat sie keine Beamten mehr, die Festnahmen vornehmen dürfen.[13] Im Gegenzug ist sie der einzige Dienst, der in Finnland zivile nachrichtendienstliche Operationen durchführen darf, und sie darf Informationen auch im Ausland beschaffen. Schwere Straftaten ermittelt das Zentralkriminalamt.[12]
Finnland hat sich damit vom skandinavischen Modell entfernt: Die Supo ist heute ein Nachrichtendienst ohne Polizeibefugnisse. Mehr im Porträt der Supo.
Kontrolle
Alle vier Dienste unterstehen einem Ministerium – in Dänemark und Norwegen dem Justizministerium, in Finnland dem Innenministerium; die Säpo ist eine Behörde unter der Regierung.[1][5][10][14] Daneben gibt es jeweils eigene Kontrollstellen:
- Dänemark: Die unabhängige Aufsicht TET (Tilsynet med Efterretningstjenesterne) kann auf alle Informationen und Unterlagen zugreifen; im Parlament gibt es einen besonderen Ausschuss für die Dienste.[3] Die TET beaufsichtigt neben dem PET auch den Nachrichtendienst der Streitkräfte, Forsvarets Efterretningstjeneste (FE).[4]
- Norwegen: Der parlamentarische EOS-Ausschuss beaufsichtigt laufend vier Dienste: den PST, den Nachrichtendienst der Streitkräfte (Etterretningstjenesten), die Nationale Sicherheitsbehörde und den Sicherheitsdienst der Streitkräfte.[7]
- Schweden: Die Säpo wird von den Parlamentsombudsleuten, dem Justizkanzler, dem Rechnungshof und der Behörde für Sicherheit und Integritätsschutz kontrolliert. Seit 2015 gibt es zudem einen Einsichtsrat mit Vertretern aller Reichstagsparteien, der aber nichts entscheidet.[10]
- Finnland: Seit 2019 kontrolliert ein unabhängiger Nachrichtendienst-Ombudsmann die Arbeit der Supo; im Parlament gibt es einen Aufsichtsausschuss für Nachrichtendienste mit elf Mitgliedern. Über den Einsatz nachrichtendienstlicher Methoden entscheidet ein Gericht.[15]
Die Sicherheitsdienste sind nicht die einzigen Nachrichtendienste dieser Länder. In Dänemark und Norwegen gibt es, wie die Aufsichtsstellen zeigen, eigene Dienste der Streitkräfte.[4][7] In Schweden liefert die Försvarets radioanstalt (FRA) mit ihrer Fernmeldeaufklärung Erkenntnisse über das Ausland.[17]
Leitung
Stand 14.10.2026 nach Angaben der Dienste: Den PET leitet seit 2026 Rasmus Kieffer-Kristensen.[18] Chefin des PST ist seit dem 1. Dezember 2022 Beate Gangås.[5] Die Säpo leitet seit dem 1. Oktober 2021 Charlotte von Essen.[19] Direktor der Supo ist Juha Martelius.[20]
Fachbegriffe erklärt das Glossar.
Häufige Fragen
Welche Sicherheitsdienste stehen im Mittelpunkt des Überblicks?
Der Überblick behandelt PET in Dänemark, PST in Norwegen, Säpo in Schweden und Supo in Finnland. Sie unterscheiden sich von deutschen Diensten insbesondere durch ihre Stellung zur Polizei.[16][14][13]
Warum ist Finnlands Supo ein Sonderfall?
Supo ist gesetzlich eine Polizeieinheit, führt aber seit der Reform von 2019 keine strafrechtlichen Ermittlungen mehr. Die formale Einordnung und die tatsächlichen Befugnisse müssen deshalb getrennt betrachtet werden.[16][14][13]
Zum Weiterlesen
Geschichte der Geheimdienste. Von den Pharaonen bis zum Cyberkrieg
EinstiegWolfgang Krieger · C.H.Beck, 4. Auflage 2026 – Die Geschichte der Nachrichtendienste weltweit, von der Antike bis in die Gegenwart.
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Quellen
- PET: About PET. Abgerufen am 14.10.2026.
- Retsinformation: Lovbekendtgørelse nr. 231 af 7. marts 2017 (PET-loven). Abgerufen am 14.10.2026.
- PET: Tilsyn og kontrol. Abgerufen am 14.10.2026.
- Tilsynet med Efterretningstjenesterne: TET. Abgerufen am 14.10.2026.
- PST: Om PST. Abgerufen am 14.10.2026.
- Lovdata: Lov om politiet (politiloven), Kapittel III a. Abgerufen am 14.10.2026.
- EOS-utvalget: The EOS Committee. Abgerufen am 14.10.2026.
- Säkerhetspolisen: Vår historia. Abgerufen am 14.10.2026.
- Sveriges riksdag: Polislag (1984:387). Abgerufen am 14.10.2026.
- Säkerhetspolisen: Styrning och uppföljning. Abgerufen am 14.10.2026.
- Säkerhetspolisen: Organisation. Abgerufen am 14.10.2026.
- Supo: Intelligence legislation. Abgerufen am 14.10.2026.
- Valtioneuvosto: HE 166/2020 vp (Regierungsentwurf zur Änderung des Polizeigesetzes). Abgerufen am 14.10.2026.
- Finlex: Laki poliisin hallinnosta 110/1992. Abgerufen am 14.10.2026.
- Supo: Regulatory control. Abgerufen am 14.10.2026.
- Supo: History. Abgerufen am 14.10.2026.
- Försvarets radioanstalt: FRA. Abgerufen am 14.10.2026.
- PET: Chefen for PET. Abgerufen am 14.10.2026.
- Säkerhetspolisen: Säkerhetspolischefen. Abgerufen am 14.10.2026.
- Supo: Organisation. Abgerufen am 14.10.2026.