Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt
Das Ministerium für Staatssicherheit (englisch: Ministry of State Security, MSS) ist nach Angaben des Deutschen Spionagemuseums ein Nachrichtendienst mit In- und Auslandsaufgaben, zugleich Sicherheitsdienst und Geheimpolizei mit Sitz in Peking.[1] Über den Aufbau chinesischer Dienste ist öffentlich weniger bekannt als über westliche. Dieses Porträt hält fest, was das Spionagemuseum und das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) belegen – und nennt Lücken ausdrücklich.
Das Wichtigste in Kürze
- Funktion: In- und Auslandsnachrichtendienst, Sicherheitsdienst, Geheimpolizei; Sitz Peking.[1]
- Zweck nach Darstellung des BfV: Die Dienste Chinas dienen vor allem dem Machterhalt der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) und der Durchsetzung ihrer politischen Ziele.[2]
- Rechtlicher Rahmen: Das Nationale Geheimdienstgesetz von 2017 gibt den Sicherheitsbehörden Sonderrechte und kann Einzelpersonen, Firmen und Organisationen zur Mitarbeit verpflichten.[3]
- Offen: Zu Leitung, Budget und Personal liegen keine belegten Angaben vor.
Einordnung
Das Deutsche Spionagemuseum führt das MSS mit dem Gründungsjahr 1983; die Angabe wurde für dieses Porträt nicht an einer zweiten Quelle geprüft.[1] Das BfV unterscheidet in seinen Berichten nicht ausdrücklich zwischen MSS, dem Ministerium für öffentliche Sicherheit und dem Militärnachrichtendienst, sondern spricht allgemein von den „Nachrichtendiensten Chinas“.[2] Entsprechend gelten die folgenden Aussagen für die chinesischen Dienste insgesamt und nicht automatisch für das MSS allein.
Aufgaben und Methoden nach Darstellung des BfV
Die Nachrichtendienste Chinas dienen nach dem Verfassungsschutzbericht 2025 vor allem dem Machterhalt der KPCh und der Durchsetzung ihrer politischen Ziele, darunter das Streben nach Weltmacht bis 2049, der Umbau der Volkswirtschaft und der Aufbau der Volksbefreiungsarmee im Rahmen der „zivil-militärischen Fusion“. Außerdem sind sie in illegitime Einflussnahme eingebunden.[2] Als Methoden nennt das BfV:[2]
- Legalresidenturen an diplomatischen Vertretungen für offene Informationsbeschaffung und Kontaktpflege mit Politik und Wirtschaft,
- Kontrolle der Auslandschinesen, auch durch eine extraterritoriale Infrastruktur, mit der „Abweichler“ identifiziert, isoliert und eingeschüchtert werden sollen,
- Technologie- und Know-how-Transfer über Unternehmensübernahmen, Joint Ventures, Talentprogramme und Forschungskooperationen,
- Instrumentalisierung von Gastwissenschaftlern mit finanziellen Anreizen, vertraglichen Bindungen und Druckmitteln,
- Gewinnung von Fürsprechern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie Desinformation,
- Cyberspionage, vor allem gegen IT-Dienstleister und Schlüsselbranchen wie Satellitenkommunikation sowie Luft- und Raumfahrt,
- Beschaffung von Dual-Use-Gütern.
Schwerpunkte der Beschaffung sind Quantentechnologie, Künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Hyperschalltechnik und Überwachungstechnologie.[2] Das BfV nennt außerdem Hackergruppen im Inland, die Nachrichtendienste unterstützen.[3]
Das Geheimdienstgesetz von 2017
Zum Nationalen Geheimdienstgesetz von 2017 schreibt das BfV, es gebe den Sicherheitsbehörden „zahlreiche förmlich kodifizierte Sonderrechte“ für nachrichtendienstliche Tätigkeit im In- und Ausland und könne Einzelpersonen, Firmen und Organisationen zur Mitarbeit verpflichten.[3] Nach Darstellung des BfV sind die Grenzen zwischen Partei, Staat, Gesellschaft und Wirtschaft in China unscharf; die Partei steuere Unternehmen unter anderem über das Geheimdienstgesetz.[3]
Was nicht belegt ist
Zu Leitung, Budget, Personalstärke und zur Kontrolle des MSS enthalten die ausgewerteten Quellen keine belegten Angaben. Wie die Abwehr solcher Aktivitäten in Deutschland aufgebaut ist, erklärt der Beitrag Spionage und Spionageabwehr. Zum Vergleich: Wer kontrolliert Nachrichtendienste? Fachbegriffe erklärt das Glossar.
Häufige Fragen
Was ist MSS?
Das Ministerium für Staatssicherheit (Ministry of State Security, MSS) ist ein chinesischer Dienst mit In- und Auslandsaufgaben sowie Funktionen einer Geheimpolizei. Sitz ist Peking.[1]
Was sagt der Verfassungsschutz über chinesische Dienste insgesamt?
Der im Artikel ausgewertete Verfassungsschutzbericht beschreibt die chinesischen Nachrichtendienste insgesamt als Instrumente des Machterhalts der KPCh und ihrer politischen Ziele. Diese Gesamtaussagen dürfen nicht ohne weiteren Beleg einer einzelnen Behörde zugerechnet werden.[2]
Zum Weiterlesen
Geschichte der Geheimdienste. Von den Pharaonen bis zum Cyberkrieg
EinstiegWolfgang Krieger · C.H.Beck, 4. Auflage 2026 – Die Geschichte der Nachrichtendienste weltweit, von der Antike bis in die Gegenwart.
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Quellen
- Deutsches Spionagemuseum: Secret Services of the World. Abgerufen am 14.10.2026.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Spionage, Cyberangriffe und sonstige sicherheitsgefährdende oder geheimdienstliche Aktivitäten für eine fremde Macht (Verfassungsschutzbericht 2025). Abgerufen am 14.10.2026.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Chinas neue Wege der Spionage. Stand November 2020, abgerufen am 14.10.2026.