Dienst-Porträt · Südkorea · Asien

NIS

National Intelligence Service (NIS), Gukga Jeongbowon

Der NIS ist Südkoreas zentraler Nachrichtendienst für Ausland und Inland, direkt dem Präsidenten unterstellt. Hervorgegangen aus dem 1961 gegründeten KCIA, seit 1999 unter heutigem Namen; seit 2024 ohne Ermittlungsbefugnis in Spionagesachen. Gesetz, Aufgaben, Kontrolle – mit Quellen.

Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt

Der National Intelligence Service (NIS) ist der zentrale Nachrichtendienst Südkoreas. Anders als in Deutschland, wo Inlands- und Auslandsaufklärung auf getrennte Behörden verteilt sind, ist der NIS für beides zuständig – mit einem Schwerpunkt auf Nordkorea. Der Dienst hat eine belastete Geschichte: Er geht auf den 1961 gegründeten Korean Central Intelligence Agency (KCIA) zurück und wurde seither mehrfach umbenannt und gesetzlich neu gefasst. Dieses Porträt stützt sich auf die englische Website des NIS, die amtliche englische Übersetzung des NIS-Gesetzes und Presseberichte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Gegründet 1961 als KCIA, 1981 umbenannt, seit Januar 1999 National Intelligence Service.[1]
  • Dem Präsidenten unterstellt: Der NIS untersteht laut Gesetz der Leitung und Aufsicht des Präsidenten.[2]
  • Reform 2020: Das Gesetz wurde im Dezember 2020 vollständig neu gefasst; Ermittlungsbefugnisse des alten Gesetzes galten nur noch bis Ende 2023.[1][2][3]

Aufgaben und Befugnisse

Das NIS-Gesetz nennt in Artikel 4 die Aufgaben des Dienstes. An erster Stelle steht die Beschaffung von Informationen, unter anderem über das Ausland und Nordkorea, zur Spionageabwehr (ausdrücklich auch gegen den Abfluss von Industrie- und Wirtschaftsinformationen), zur Terrorabwehr und zu internationalen kriminellen Netzwerken.[2] Hinzu kommen Informationen zu bestimmten Staatsschutzdelikten, etwa Hochverrat oder Taten nach dem Nationalen Sicherheitsgesetz, sowie zur Cybersicherheit und zu sicherheitsrelevanten Weltrauminformationen wie Satelliten. Ein weiterer Aufgabenblock ist der Schutz von Verschlusssachen.[2]

Der NIS selbst beschreibt seine Arbeit in Bereichen wie Spionageabwehr, Terrorabwehr, Cybersicherheit, Aufklärung über Nordkorea und Schutz nordkoreanischer Geflüchteter; dafür betreibt er unter anderem ein Nationales Cybersicherheitszentrum.[4]

Die Reform von 2020: Ermittlungen gehen an die Polizei

Im Dezember 2020 wurde das NIS-Gesetz durch das Gesetz Nr. 17646 vollständig neu gefasst; es trat am 1. Januar 2021 in Kraft.[1][2] Ein Kernpunkt betraf die Ermittlungsbefugnisse: Nach einer Übergangsvorschrift galten die entsprechenden Bestimmungen des früheren Gesetzes nur noch bis zum 31. Dezember 2023.[2] Seit dem 1. Januar 2024 führt der NIS keine Ermittlungen in Spionagesachen mehr; diese Aufgabe liegt bei der Polizei. Der NIS darf die Polizei weiterhin mit Informationen und Fachwissen unterstützen.[3]

Für Deutschland ist das ein bekanntes Prinzip: Nach dem Trennungsgebot haben deutsche Nachrichtendienste keine polizeilichen Befugnisse. Südkorea hat sich diesem Modell mit der Reform angenähert.

Das Gesetz verbietet dem Direktor und allen Beschäftigten außerdem ausdrücklich politische Betätigung, etwa den Beitritt zu Parteien; Verstöße sind strafbar.[2]

Kontrolle

Der NIS untersteht der Zuständigkeit des Präsidenten der Republik Korea und arbeitet unter dessen Leitung und Aufsicht.[2] Den Direktor ernennt der Präsident nach einer Anhörung in der Nationalversammlung.[2] Das Parlament kontrolliert den Dienst über seinen Geheimdienstausschuss (Intelligence Committee): Der Direktor muss dem Ausschuss vierteljährlich über die Ausführung des Haushalts berichten; die Beratung des Haushalts findet in nicht öffentlicher Sitzung statt.[2]

Geschichte

Laut der eigenen Chronik des Dienstes wurde der Korean Central Intelligence Agency (KCIA) im Juni 1961 gegründet; erster Direktor war Kim Jong-pil.[1] 1963 wurde er per Gesetzesänderung zu einer Behörde unmittelbar unter dem Präsidenten. Im Januar 1981 erhielt der Dienst einen neuen Namen (Agency for National Security Planning), im Januar 1999 startete er als National Intelligence Service neu.[1] Weitere Meilensteine waren 2004 die Eröffnung des Nationalen Cybersicherheitszentrums und 2005 die Einrichtung eines Zentrums zur Bündelung von Terrorismus-Informationen.[1]

Leitung

Direktor ist laut Website des NIS Lee Jong Seok (abgerufen am 14.10.2026).[5] Als Kandidat für das Amt wurde er am 19. Juni 2025 in der Nationalversammlung angehört; Teile der Anhörung waren nicht öffentlich.[6]

Einordnung

Der NIS vereint Inlands- und Auslandsaufklärung in einer Behörde. Wie andere Staaten ihre Inlandsdienste organisieren, zeigt der Beitrag Inlandsnachrichtendienste im Vergleich. Einen anderen asiatischen Dienst stellt das Porträt der japanischen PSIA vor.

Häufige Fragen

Was ist der NIS?

Der National Intelligence Service ist der zentrale Nachrichtendienst Südkoreas. Er verbindet Inlands- und Auslandsaufklärung mit einem Schwerpunkt auf Nordkorea.[1][2]

Wer kontrolliert NIS?

Der NIS untersteht der Zuständigkeit des Präsidenten der Republik Korea und arbeitet unter dessen Leitung und Aufsicht. Den Direktor ernennt der Präsident nach einer Anhörung in der Nationalversammlung. Das Parlament kontrolliert den Dienst über seinen Geheimdienstausschuss (Intelligence Committee): Der Direktor muss dem Ausschuss vierteljährlich über die Ausführung des Haushalts berichten; die Beratung des Haushalts findet in nicht öffentlicher Sitzung statt.[2]

Zum Weiterlesen

Geschichte der Geheimdienste. Von den Pharaonen bis zum Cyberkrieg

EinstiegWolfgang Krieger · C.H.Beck, 4. Auflage 2026 – Die Geschichte der Nachrichtendienste weltweit, von der Antike bis in die Gegenwart.

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Quellen

  1. National Intelligence Service: Major Milestone. Abgerufen am 14.10.2026.
  2. Korea Legislation Research Institute: National Intelligence Service Act (amtliche englische Übersetzung; vollständig neu gefasst durch Gesetz Nr. 17646 vom 15.12.2020, zuletzt geändert durch Gesetz Nr. 21065 vom 1.10.2025). Abgerufen am 14.10.2026.
  3. Korea JoongAng Daily: Spy agency set to transfer counterespionage authority to police, but doubts remain. 12.12.2023, abgerufen am 14.10.2026.
  4. National Intelligence Service: Website (englisch). Abgerufen am 14.10.2026.
  5. National Intelligence Service: Director’s Greetings. Abgerufen am 14.10.2026.
  6. The Korea Times: Spy chief nominee rejects ‚pro-North Korea‘ label. 19.6.2025, abgerufen am 14.10.2026.

Verwandte Dienste

  • MSS – Ministerium für Staatssicherheit (MSS), China
  • RAW – Research and Analysis Wing (R&AW, „RAW“), Indien
  • PSIA – Public Security Intelligence Agency (PSIA), 公安調査庁 Kōan Chōsa-chō, Japan
  • RGB – Reconnaissance General Bureau (RGB), koreanisch Chongch'al Ch'ongguk; deutsch etwa Aufklärungshauptverwaltung, Nordkorea
  • ISI – Inter-Services Intelligence (ISI), Pakistan