Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt
Das „Ministry of Intelligence of the Islamic Republic of Iran“ – früher „Ministry of Information and Security“ und meist MOIS abgekürzt – ist nach Angaben der Bundesregierung der wichtigste zivile In- und Auslandsnachrichtendienst des Iran und ein zentrales Instrument der politischen Führung zur Sicherung ihres Machtanspruchs.[1] Daneben gibt es nachrichtendienstlich tätige Einheiten der Revolutionsgarden. Dieses Porträt fasst zusammen, was Bundesregierung und Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) über die iranischen Dienste in Deutschland festhalten. Zum Dienst selbst – Gründung, Sitz, Leitung, Budget – gibt es in den ausgewerteten Quellen keine belegten Angaben.
Das Wichtigste in Kürze
- MOIS: wichtigster ziviler In- und Auslandsnachrichtendienst des Iran.[1]
- Schwerpunkt: Ausspähung und Bekämpfung oppositioneller Gruppen und Einzelpersonen im In- und Ausland.[2][3]
- Revolutionsgarden (Quds-Einheit): Ausspähung insbesondere (pro-)israelischer und (pro-)jüdischer Ziele in Deutschland.[4]
- Offen: Zu Leitung, Budget und Personal liegen keine belegten Angaben vor.
Der MOIS nach Angaben der Bundesregierung
Auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke im Bundestag antwortete die Bundesregierung 2019: Der MOIS beobachtet und bekämpft oppositionelle Gruppen im In- und Ausland, insbesondere die Volksmodjahedin und den Nationalen Widerstandsrat Iran. Weitere Ziele sind Oppositionelle aus dem monarchistischen Spektrum und iranisch-kurdische Bewegungen sowie die Beschaffung von Informationen zur Außen- und Sicherheitspolitik. Der Schwerpunkt der Aufklärung liegt in Deutschland, vereinzelt auch im übrigen Europa.[1] Seit 2014 verzeichnet die Bundesregierung verstärkt Cyberangriffe mit mutmaßlich iranischer Urheberschaft.[1]
Revolutionsgarden und Quds-Einheit
2023 teilte die Bundesregierung mit, dem BfV lägen Hinweise zu 160 Personen mit Deutschlandbezug vor, die Verbindungen zu den iranischen Revolutionsgarden haben sollen. Die Quds-Einheit sei seit über zehn Jahren in Deutschland aktiv; ihre Ausspähung richte sich „insbesondere gegen (pro-)israelische beziehungsweise (pro-)jüdische Ziele“. Seit den Mahsa-Amini-Protesten gebe es vermehrt Hinweise auf die Ausspähung oppositioneller Veranstaltungen und Einzelpersonen. Außerdem versuchten die Revolutionsgarden, in Deutschland Güter für das iranische Raketenprogramm zu beschaffen, meist über Tarnfirmen und Zwischenhändler.[4]
Lage nach dem Verfassungsschutzbericht 2025
Nach dem Verfassungsschutzbericht 2025 legen die iranischen Dienste einen Schwerpunkt auf die Ausspähung und Bekämpfung oppositioneller Gruppierungen und Einzelpersonen im In- und Ausland. Das BfV stellte 2025 erneut Ausspähung gegen (pro-)israelische und (pro-)jüdische Ziele fest und unterband sie. Die Konflikte im Nahen Osten treiben die Operationen auch in Deutschland an, und die Gefährdung durch „staatsterroristische Mittel“ ist nach dem BfV seit dem Irankrieg Ende Februar 2026 gestiegen. Im Cyberraum richtete die Gruppe „Charming Kitten“ Angriffe vor allem gegen Exiliraner, Oppositionelle, Journalisten und Menschenrechtsaktivisten; für den Wiederaufbau nuklearer und militärischer Anlagen strebt der Iran nach Angaben des BfV den illegalen Zugriff auf Spitzentechnologie aus Europa und Deutschland an.[2] Das BfV nennt in diesem Abschnitt den MOIS nicht ausdrücklich, sondern spricht von „den iranischen Diensten“.[2] Zu den Methoden fremder Dienste allgemein siehe den Beitrag Spionage und Spionageabwehr; zu den Schwerpunktstaaten der Spionageabwehr nennt das BfV unter anderem den Iran.[3]
Einordnung
Wie die deutsche Spionageabwehr aufgebaut ist, erklärt der Beitrag Nachrichtendienste in Deutschland. Fachbegriffe erklärt das Glossar.
Zur zeitlichen und institutionellen Einordnung: Iranische Nachrichtendienste im Überblick. Den Dienst der früheren Monarchie behandelt das historische Porträt des SAVAK.
Häufige Fragen
Was ist MOIS?
Das „Ministry of Intelligence of the Islamic Republic of Iran“ – früher „Ministry of Information and Security“ und meist MOIS abgekürzt – ist nach Angaben der Bundesregierung der wichtigste zivile In- und Auslandsnachrichtendienst des Iran und ein zentrales Instrument der politischen Führung zur Sicherung ihres Machtanspruchs.[1]
Wie beschreibt die Bundesregierung die Aufgaben des MOIS?
Auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke im Bundestag antwortete die Bundesregierung 2019: Der MOIS beobachtet und bekämpft oppositionelle Gruppen im In- und Ausland, insbesondere die Volksmodjahedin und den Nationalen Widerstandsrat Iran. Weitere Ziele sind Oppositionelle aus dem monarchistischen Spektrum und iranisch-kurdische Bewegungen sowie die Beschaffung von Informationen zur Außen- und Sicherheitspolitik.[1]
Zum Weiterlesen
Geschichte der Geheimdienste. Von den Pharaonen bis zum Cyberkrieg
EinstiegWolfgang Krieger · C.H.Beck, 4. Auflage 2026 – Die Geschichte der Nachrichtendienste weltweit, von der Antike bis in die Gegenwart.
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Quellen
- Deutscher Bundestag: Iranische Geheimdienstaktivitäten (hib 72/2019 vom 22.1.2019, Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage). Abgerufen am 14.10.2026.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Spionage, Cyberangriffe und sonstige sicherheitsgefährdende oder geheimdienstliche Aktivitäten für eine fremde Macht (Verfassungsschutzbericht 2025). Abgerufen am 14.10.2026.
- Bundesamt für Verfassungsschutz: Akteure und Aktionsfelder. Abgerufen am 14.10.2026.
- Deutscher Bundestag: Aktivitäten der iranischen Revolutionsgarden in Deutschland (hib 122/2023 vom 20.2.2023, Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage). Abgerufen am 14.10.2026.