Zuletzt aktualisiert: · Von Klaus Weber · Mit Quellen belegt
Der Canadian Security Intelligence Service (CSIS) ist der zivile Inlandsnachrichtendienst Kanadas. Er ist ein Lehrbeispiel dafür, warum manche Demokratien Nachrichtendienst und Polizei trennen: Bis 1984 lag die Aufgabe bei einer Abteilung der Bundespolizei RCMP. Nachdem diese mit offenbar illegalen Methoden aufgefallen war, empfahl eine Untersuchungskommission einen völlig getrennten zivilen Dienst.[2] Dieses Porträt stützt sich auf das CSIS-Gesetz, eine Analyse der Parlamentsbibliothek und Angaben des Dienstes.
Das Wichtigste in Kürze
- Gegründet 1984 durch den CSIS Act als Nachfolger des Security Service der RCMP.[1][2]
- Keine Polizei: Das Gesetz stellt klar, dass der CSIS keine Polizeibefugnisse hat und niemanden festhalten darf.[3][4]
- Kontrolle: die unabhängige Prüfstelle NSIRA und ein Ausschuss von Parlamentariern (NSICOP).[5][6]
Wie der CSIS entstand
In den 1970er-Jahren wurde bekannt, dass der Security Service der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) eine Reihe offenbar illegaler Handlungen begangen hatte, um radikale und separatistische Gruppen auszuschalten. 1977 setzte die Regierung deshalb eine Untersuchungskommission ein, nach ihrem Vorsitzenden McDonald Commission genannt. Ihr Schlussbericht vom 25. August 1981 kam zu dem Ergebnis, dass Strafverfolgung und Sicherheitsarbeit unvereinbar sind, und empfahl einen völlig getrennten zivilen Dienst.[2]
Das CSIS-Gesetz trat am 16. Juli 1984 in Kraft, der Teil über Überwachungsbeschlüsse am 31. August 1984.[2] Die Hauptzuständigkeit für Ermittlungen bei Sicherheitsstraftaten blieb bei der RCMP.[2]
Aufgaben und Befugnisse
Der CSIS sammelt Informationen über Bedrohungen der Sicherheit Kanadas, soweit das unbedingt notwendig ist, wertet sie aus und berät die Regierung (Abschnitt 12 des Gesetzes).[3] Seit 2015 darf er auch Maßnahmen ergreifen, um Bedrohungen zu verringern. Das Gesetz stellt aber ausdrücklich klar, dass ihm das keine Befugnisse zur Strafverfolgung verleiht und dass er niemanden festhalten darf.[3] Der Dienst schreibt über sich selbst: „CSIS is not a law enforcement agency“ – der CSIS ist keine Strafverfolgungsbehörde.[4]
Kontrolle
Den Direktor ernennt die Regierung.[1] Seit 12. Juli 2019 prüft die unabhängige National Security and Intelligence Review Agency (NSIRA) die Arbeit des CSIS und berichtet dem Parlament; sie löste die frühere Prüfstelle SIRC ab und bearbeitet auch Beschwerden.[5] Daneben kontrolliert der National Security and Intelligence Committee of Parliamentarians (NSICOP), ein Ausschuss aus Abgeordneten und Senatoren, die Sicherheits- und Nachrichtendienste Kanadas.[6]
Leitung und Haushalt
Dan Rogers ist seit 28. Oktober 2024 Direktor des CSIS.[7] Als Direktor unterzeichnete er auch den öffentlichen Jahresbericht 2025.[8] Nach diesem Bericht gab der CSIS 2024/25 rund 493 Millionen kanadische Dollar für Personal und rund 320 Millionen für Sachkosten aus; eine Personalzahl nennt er nicht.[8]
Einordnung
Kanada hat das Modell der Trennung bewusst gewählt – wie Deutschland mit dem Trennungsgebot und Großbritannien mit dem MI5. Mehr dazu im Beitrag Inlandsnachrichtendienste im Vergleich.
Häufige Fragen
Was ist CSIS?
Der Canadian Security Intelligence Service (CSIS) ist der zivile Inlandsnachrichtendienst Kanadas. Er ist ein Lehrbeispiel dafür, warum manche Demokratien Nachrichtendienst und Polizei trennen: Bis 1984 lag die Aufgabe bei einer Abteilung der Bundespolizei RCMP. Nachdem diese mit offenbar illegalen Methoden aufgefallen war, empfahl eine Untersuchungskommission einen völlig getrennten zivilen Dienst.[2]
Wer kontrolliert CSIS?
Die National Security and Intelligence Review Agency (NSIRA) prüft die Arbeit des CSIS und bearbeitet Beschwerden. Daneben kontrolliert der Ausschuss aus Abgeordneten und Senatoren NSICOP die Sicherheits- und Nachrichtendienste Kanadas.[5][6]
Zum Weiterlesen
Geschichte der Geheimdienste. Von den Pharaonen bis zum Cyberkrieg
EinstiegWolfgang Krieger · C.H.Beck, 4. Auflage 2026 – Die Geschichte der Nachrichtendienste weltweit, von der Antike bis in die Gegenwart.
Affiliate-Links: Wenn Sie über diese Links bei Amazon kaufen, erhalte ich eine kleine Provision; der Preis bleibt für Sie gleich. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.
Quellen
- Department of Justice Canada: Canadian Security Intelligence Service Act (R.S.C., 1985, c. C-23). Abgerufen am 14.10.2026.
- Philip Rosen: The Canadian Security Intelligence Service. Current Issue Review 84-27E, Library of Parliament, überarbeitet 24.1.2000, abgerufen am 14.10.2026.
- Department of Justice Canada: CSIS Act, Abschnitte 12 bis 12.2. Abgerufen am 14.10.2026.
- Canadian Security Intelligence Service: Reporting National Security Information. Abgerufen am 14.10.2026.
- National Security and Intelligence Review Agency: What we do. Abgerufen am 14.10.2026.
- Government of Canada: National Security and Intelligence Committee of Parliamentarians. Abgerufen am 14.10.2026.
- Prime Minister of Canada: Prime Minister announces changes in the senior ranks of the Public Service. 15.10.2024, abgerufen am 14.10.2026.
- Canadian Security Intelligence Service: CSIS Public Report 2025. Abgerufen am 14.10.2026.